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raetezeit

Die Geschichte der Revolution und Räterepubliken neu erzählen:

Reaktion in Bayern - 100 Jahre Reaktionäres Bayern

2016 schrieb ich: Seit mehr als einem Jahr treffen sich ca alle 6 Wochen etliche Geschichts-Interessierte, die jene Zeit von 1915 bis zur Rätezeit und wohl auch darüber hinaus wiederbeleben wollen.

1987/ 1988 hatte es in München schon so ein Projekt gegeben, die Geschichte von Republik und Rätezeit in einer Gruppe von historisch interessierten Künstler*innen, Pädagog*innen und politisch Interessierten neu zu erzählen und zu schreiben, denn die Propaganda der Reaktion wurde in der Nazizeit offiziell in illustrierten Blättern verbreitet und im Postfaschismus der 1950er Jahre in den Geschichtsbüchern nicht korrigiert.

Neben den 100 Jahren Demokratie und Frauenwahlrecht gilt es auch, das erwachende demokratische und damit republikanische Denken gegen Katholizismus, Militarismus und Monarchie wieder zu beleben, auch die Reaktion und ihr bis heute weiter wirkendes Gedankengut des Chauvinismus kenntlich zu machen.

Dazu haben sicher viele weitere Leute in München und Bayern was zu sagen:

Etwa 7000 Räte hatte es in Bayern gegeben, als die Revolution so überraschend freundlich erfolgreich war, doch ist die Erinnerung an die Räte-Zeit durch faschistische Propaganda in der Geschichtsschreibung vergraben.

Die Bewegungen vorher, wie die Wandervogel-Gruppen von jungen Burschen und Frauen gegen die soldatischen und studentischen Burschenschaften, das internationale Denken der pazifistischen Gruppen …

Eine Baustelle zur Zusammenarbeit entstand auf http://raete-muenchen.de

Da das plenumR ja eher ein Plenum ist, könnte ein Einstiegsabend die Vorgeschichte und den Friedens-Schwerpunkt bearbeiten.

Ein Einstiegs-Text aus den städtischen Seiten ...

Repressalien gegen Pazifistinnen

Broschüre des Kulturreferat:

Überzeugte Pazifistinnen. Unten: Anita Augspurg (links) und Lida Gustava Heymann (rechts) von der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung, Aufnahme um 1920. Oben: die Sozialistinnen Clara Zetkin (links) und Rosa Luxemburg (rechts). S 112

Es sind nicht viele Frauen, die sich der Kriegseuphorie zu Beginn des Ersten Weltkrieges nicht anschließen. In Berlin sind die herausragendsten Kriegsgegnerinnen die Sozialistinnen Rosa Luxemburg (1871–1919) und Clara Zetkin (1857–1933). In München gehören Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zu den entschiedensten Kriegsgegnerinnen. Sie lehnen jede Beteiligung am „Nationalen Frauendienst“ vehement ab.

Für diese Haltung werden sie nicht zuletzt von den kriegsbegeisterten Teilen der Frauenbewegung massiv kritisiert. Von Seiten der Behörden werden ihre pazifistischen Aktivitäten bespitzelt und verfolgt.

Der Frauenstimmrechtsbund und die Münchner Friedensgesellschaft erhalten ab März 1916 Versammlungs- und Publikationsverbot. Neben Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg sind nun auch Margarethe Selenka, Margarete Quidde, Lucy Hoesch-Ernst und Marie Zehetmaier von der Postüberwachung und dem Verbreitungsverbot pazifistischer Schriften betroffen.

Lida Gustava Heymann wird schließlich aus Bayern ausgewiesen. Sie kann sich aber auf „Burg Sonnensturm“, dem Landgut im Isartal, das sie zu dieser Zeit gemeinsam mit Anita Augspurg betreibt, verstecken.

Nachdem die zunächst wenigen, aber entschiedenen pazifistischen Stimmen von den Behörden weitgehend zum Schweigen gebracht worden sind, entwickeln sich die Arbeiter/innen zur treibenden Kraft gegen den Krieg. Ende Januar 1918 finden im ganzen Reich Streiks für einen sofortigen Friedensschluss und für eine bessere Versorgungslage statt.

In München demonstrieren die streikenden Arbeiter/innen auf der Theresienwiese für Brot und Frieden. Die Lederfabrik am Biederstein, in der vor allem Frauen beschäftigt sind, gehört in München zu den ersten Betrieben, in denen gestreikt wird. Auch in den streikenden Rüstungsbetrieben ist der Frauenanteil – bedingt durch den Krieg – sehr hoch.

In seinem Roman „Wir sind Gefangene“ schreibt Oskar Maria Graf:

„Frauen mit ausgelaugten Gesichtern, zerarbeiteten Händen und entschlossenen Augen. Sie waren eigentlich die Nüchternsten, die Mutigsten. Sie arbeiteten in den Granatfabriken, waren Straßenbahnschaffnerinnen, sie schufteten sonst wo und erzählten von ihren Nöten, von den Schwierigkeiten der Agitation unter ihren Kolleginnen, und sie machten Vorschläge.

Sie waren die ersten, die in München in jenem grauenvollen Kriegswinter die ersten Hungerdemonstrationen wagten, sie gingen als erste anlässlich der Januarstreiks 1918 mit Eisner ins Gefängnis.“ ቕ 03

Unter den verhafteten Streikführern sind neben Kurt Eisner, dem späteren ersten bayerischen Ministerpräsidenten, auch drei Frauen: Emilie und Babette Landauer – keine Verwandten von Gustav Landauer – sowie Sarah Sonja Rabinowitz (1882–1918), verheiratete Lerch, Mitbegründerin der Münchner USPD, die bereits an der russischen Revolution 1905 aktiv teilgenommen hatte.

Ihr Mann, Eugen Lerch, möchte sich nach ihrer Verhaftung „aus patriotischen Gründen“ von ihr scheiden lassen und kündigt dies in einer Zeitungsanzeige an. Am 31. März 1918 erhängt sie sich in ihrer Zelle in Stadelheim. 11 3

Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit

Vom 28. April bis 1. Mai 1915 tagt in Den Haag ein internationaler Frauenfriedenskongress. Weit mehr als 1000 Frauen aus zwölf Ländern versammeln sich, um gegen den Krieg zu protestieren und Demokratie und Gleichberechtigung als Grundlage einer friedlichen Weltordnung zu fordern.

Es werden zahlreiche Beschlüsse und Resolutionen verabschiedet, die später teilweise wörtlich in das 14-Punkte-Friedensprogramm des US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson einfließen.

Aus Deutschland können nur 28 Pazifistinnen an dem Kongress in Den Haag teilnehmen, weil die Behörden vielen Frauen die Pässe verweigern. Aus München reisen Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann, Margarethe Lenore Selenka und Lucie Hoesch-Ernst an.

Auf der Konferenz gründet sich das Internationale Komitee für dauernden Frieden, das auf dem Zweiten Frauenfriedenskongress 1919 in Zürich auf Antrag von Anita Augspurg in Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) umbenannt wird.

Die IFFF entwickelt sich in der Folge zu einer weitverzweigten internationalen Organisation, die bis heute aktiv ist. In zahlreichen deutschen Städten bilden sich Regionalgruppen, so auch in München unter dem Vorsitz von Constanze Hallgarten (e S. 117). Der Sitz der deutschen Sektion der IFFF befindet sich bis 1933 ebenfalls in München, unter der Leitung von Anita Augspurg im Leuchtenberg Palais am Odeonsplatz. ቕ 13 - 114

Podium auf dem internationalen Frauenfriedenskongress

1915 in Den Haag. Rosika Schwimmer (4.v.l.), Anita Augspurg (5.v.l.), Jane Addams (6.v.l.) und Aletta Jacobs (6.v.r.).

In einem der Beschlüsse der Konferenz heißt es: „Dieser Internationale Frauenkongreß protestiert gegen die Auffassung, daß Frauen unter einer modernen Kriegsführung geschützt werden können. Er protestiert aufs Entschiedenste gegen das furchtbare Unrecht, dem Frauen in Kriegszeiten ausgesetzt sind, und besonders gegen die entsetzlichen Vergewaltigungen von Frauen, welche die Begleiterscheinung jedes Krieges sind.

Dieser Internationale Frauenkongreß fordert, daß im Interesse dauernden Friedens und der Civilisation die Konferenz zur Feststellung der Friedensbedingungen nach dem Kriege eine Resolution annehmen soll, welche die Notwendigkeit der politischen Gleichberechtigung der Frauen für alle Länder betont.“ 115

Die monatliche Mitgliederzeitung der IFFF „Die Frau im Staat“ wird ab Januar 1919 von Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann herausgegeben.

Regelmäßige Mitarbeiterinnen sind außerdem Gertrud Baer, Constanze Hallgarten und Lilli Jannasch. Die Texte berichten unter anderem über die Aktivitäten der IFFF, sie fordern Abrüstung, humanere Erziehungsmethoden und die Abschaffung der Todesstrafe und sie üben Kritik an Kolonialismus, Militarismus und Antisemitismus.

Von Anfang an wendet sich die Zeitung gegen die Nationalsozialisten und ihre menschenverachtende Ideologie. 1933 wird die Zeitung mit dem Exil der beiden Herausgeberinnen und dem Verbot der IFFF in Deutschland gezwungenermaßen eingestellt.

„Wir fordern nicht weniger als die Ausweisung Hitlers!“

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der blutigen Niederschlagung der Räterepublik ist die Stimmung in München alles andere als friedlich. Die aufstrebenden Nationalsozialisten terrorisieren zunehmend das öffentliche Leben.

Anfang 1923 wird eine Versammlung der Friedensgesellschaft von Nationalsozialisten gesprengt, wobei einer der Anwesenden durch den Angriff schwer verletzt wird. Daraufhin versucht eine Delegation von Frauen, geführt von Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann und Ellen Ammann beim Bayerischen Innenminister Franz Schweyer die sofortige Ausweisung Adolf Hitlers aus Bayern wegen Landfriedensbruch zu erwirken. Vergeblich.

Als sich derselbe Adolf Hitler wenige Monate später an die Macht putschen will, kann dies nicht zuletzt durch das entschiedene Handeln von Ellen Amman verhindert werden. Am - 116 - Abend des 8. November 1923 erfährt diese zufällig von den Putschplänen.

Als Landtagsabgeordnete fühlt sie sich verpflichtet Widerstand zu organisieren. Sie versammelt den stellvertretenden Ministerpräsidenten Franz Matt sowie zahlreiche Landtagsabgeordnete in den Räumen der Sozial-caritativen Frauenschule in der Theresienstraße 25.

Noch in der selben Nacht wird eine Resolution verfasst, die den Putsch als Staatsverbrechen verurteilt, Reichswehrtruppen werden von Würzburg nach München beordert und der Regierungssitz wird nach Regensburg verlegt. Franz Matt sagt später rückblickend: „Die Kollegin Ammann hatte damals mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen.“

Und Lida Gustava Heymann schreibt: „Daß dieses ganze, geradezu törichte Unterfangen nicht in einem furchtbaren Blutbade endete, sondern nach wenigen Stunden zusammenbrach, ist meines Erachtens auf die Initiative einer Frau, Ellen Ammann, bayerische Landtags abgeordnete, zurückzuführen, die vorausschauend instinktiv und nach sicheren Anzeichen erkannte, daß sich eine Katastrophe vorbereitete, und daraufhin ihre Maßnahmen traf.“ ቕ 13 Ellen Ammann (1870 –1932). In den Geschichtsbüchern wird ihre entscheidende Rolle bei der Vereitelung des Hitlerputsches 1923 kaum erwähnt. Die Nationalsozialisten haben diese jedoch 1933 nicht vergessen und lassen 60.000 Exemplare ihrer gerade erschienenen Biographie einstampfen (e S. 174). - 117

und für den Start einer neuen AG in euren Kreisen stehen gerne Begleitende des bisherigen plenumR zur Seite,

Themenschwerpunkt des Forum könnte die wandelnde Sicht auf die Sexualitäten durch die Psychoanalyse und Magnus Hirschfelds Schriften sein, die damals in den Schwabinger Cafes heiß diskutiert wurden,

Eich Mühsam und Otto Gross und die erste bewusste Allein-Erziehende Gräfin Franziska zu Reventlov, das Zusammenleben der Frauen in der Bewegung, …

Antisemitismus in den Kirchen

Die Spanische Grippe: Ein Thema der Kriegs-Zeitungs-Zensur

Friedensbewegung schlecht reden: Eine Tradition der bürgerlichen Besitzpresse

Bemühte Linke legen mit „querfront“ nach: Verschwörungs-Fanatiker der linken Seite …

… gefolgt von den Verschwörungs-Fanatikern der Rechten: Im ewigen Kampf gegen Freimaurer, die Teile von ihnen im Germanen- und Hammer-Orden und in der Thule-Gesellschaft im Hotel Vierjahreszeiten nachahmen: Mit Schwert und Hakenkreuz …

Wiedergänger

sind Untote, die sich am Totensonntag und am Volkstrauertag und an den Nazi-Gräbern und Denkmälern sammeln, in NPD und am AfDer und in geheimen Kampfbünden wie „Hannibal“ und „S“ und Nordkreuz mit Bundeswehr, Innenministern, KSK und Staatsschutz, „Verfassungsschutz“ aus der Tradition der Organisation Gehlen,

Kapitalismus verstehen

Der Kapitalismus hatte uns schon vor dem „3.Reich“ infiziert, bei manchen an Antikommunismus oder Sozialismus-Angstreaktionen erkennbar. Dann hieß es netter, wie Wettbewerb und Sport, und kommt jetzt als massenhaftes Sonderangebot der vorübergehend kostenlosen Bespaßung daher.

Neoliberale und Rüstungsindustrie

Der Tod ist ein Meister aus Täuschland

Gedenken und Gedenkorte gestalten

Personen wie Gustav Landauer, Kurt Eisner, Sonja Lerch, Ernst Toller und Erich Mühsam aber auch die Leute im Hintergrund Otto Gross

viele Beiträge in http://raete-muenchen.de

reaktionär und Faulhaber

Rückwärts gewandt waren der Adel und die Kirchen schon immer: Ihre Tradition von Jahrhunderten … Macht und Anmaßung, Privilegien und Unterdrückung …

http://eineweltnetz.org/mo-geburtstag-erich-muehsam-142-und-di-gustav-landauer-150/

Die Vorläufer des VS sehe ich neben den europäischen Absprachen zur Sozialisten-Verfolgung in der Thule-Gesellschaft, rechter Geheimbund gg Räterepublik im Hotelzimmer Vierjahreszeiten: Entführungsplan #KurtEisner, #Palmsonntagsputsch Verhaftung #ErichMühsam

Das Hotel Vierjahreszeiten in #München war Sitz der antisemitisch-germanisch rassistischen #thulegesellschaft, die die Räterepublik bekämpfte und bespitzelte und für die #SPD ein rechtes #Freikorps aufstellte, um die Räte zu ermorden

13.April1919 war Palmsonntag. #Thulegesellschaft hatte die Informationen geliefert, die #BambergerRegierung einen Zug mit Putschisten, die #ErichMühsam und einige weitere #Arbeiterräte verhafteten. #ZenzlMühsam konnte weitere Räte telefonisch warnen, Erich nach Ebrach entführt

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