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Vor dem ersten Europäischen Krieg, wie ihn Franz Marc noch nannte, war die SPD eine pazifistische Partei, aufgeschlossen für internationale Zusammenarbeit der Arbeiterschaften und gegen die Todesstrafe.

Ab dem Krieg waren die Gewerkschaften und Sozialdemokraten vom Kaiser auf einen "Burgfrieden" eingeschworen, der weder Lohnforderungen, noch Streiks erlauben würde.

Der Krieg sollte ja so schnell wie der Überfall auf Frankreich 1870/71 zu Ende sein, so hatte man keine wirklichen Vorräte und ab 17.Juni 1916 erste Hungerdemonstrationen.

Kriegs-Anleihen, die dem Bürger hohe Zinsen versprachen, sollten die Kriegskasse auffüllen und zuerst stimmte im Reichstag nur ein Sozialdemokrat dagegen: Karl Liebknecht.

Ausführlich zum Verlauf im Reich:

de.wikipedia.org/wiki/Unabhängige_Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands

1917 stimmte eine größere Gruppe von Reichstags-Abgeordneten der SPD gegen neue Kriegskredite und wurde aus der Fraktion ausgeschlossen. Diese Gruppe gründete in Gotha die Gruppe der Unabhängigen Sozialdemokraten Deutschlands USPD.

Am 23.Oktober1918 druckte die sozialdemokratische Zeitung "Vorwärts" noch einige Tage nach einer Nachricht, dass der Krieg wohl nicht mehr zu gewinnen / verloren sei, noch einmal eine Werbung für eine Kriegsanleihe.

in München

waren es kleine Kreise, die um Kurt Eisner und dann Ernst Toller, später Felix Fechenbach und dann immer mehr Mitglieder eine neue Art fanden, die Nachrichten aus den Zeitungen und von Korresspondierenden aus anderen Ländern zu besprechen und die Einschätzungen zu diskutieren.

Durch die erfolgreichen Aufrufe zu den RüstungsarbeiterInnenstreiks für den Frieden im Januar 1918 wurden alle wichtigen Beteiligten verhaftet und landeten für verschiedene Zeiten in Untersuchungshaft, bis zu einem dreiviertel Jahr: Erst im Oktober 1918 kamen die letzten frei. Sonja Lerch hatte sich im Gefängnis Stadelheim erhängt.

Steckbriefe

der Gefangenen geben uns die Protokolle der Polizei:

mit Bildern raete-muenchen.de/steckbriefe-kurt-eisner-und-genossinnen

Steckbriefe sind hier eher Polizei-Protokolle und Bilder der "Rädelsführenden" der RüstungsarbeiterInnen-Streiks in München im Januar 1918, während auch in Berlin, Nürnberg und Wien viele Tausende streikten, für Frieden und Verhandlungen. Am Ende stehen Verhaftungen ...

Während im Landtag am 7. Mai der 150. Geburtstag von Kurt Eisner gefeiert wird (nur von der SPD, die Reaktion hält ihn immer noch für einen anti-monarchistischen Teufel) und eine Ausstellung im Stadtmuseum an die literarische Arbeit erinnert, sammelt ein Buch die Steckbriefe der Genossinnen.

Buchvorstellung der Neuerscheinung Cornelia Naumann und Günther Gerstenberg (Hg.) Steckbriefe Kurt Eisner& Genossen Gegen Eisner, Kurt u. Genossen wegen Landesverrats.

Ein Lesebuch über Münchner Revolutionärinnen und Revolutionäre im Januar 1918, edition av, 24,90 Euro

Bevor sie den König davonjagten, traten sie in den Streik: Rund 8.000 Arbeiter der Rüstungsindustrie und Arbeiterinnen der Munitionswerke hatten Ende Januar 1918 die Nase voll vom Gemetzel an der Front, vom „Burgfrieden“ der SPD, von weiteren Kriegsanleihen, von leeren Versprechungen. Sie streikten für Frieden und Volksherrschaft.

Aber dafür mussten sie zunächst teuer bezahlen. Den Behörden gelang es, die führenden Köpfe des Ausstands festzunehmen, ihn damit in „ruhigere Bahnen“ zu lenken und ihn schließlich zu beenden. Das Morden an den Fronten konnte weiter gehen. Im Berliner Bundesarchiv befinden sich die Akten, die die Bespitzelung, Festnahmen und daran anschließenden Verhöre der Streikaktivistinnen und -aktivisten dokumentieren.

Günther Gerstenberg: Der kurze Traum vom Frieden.

Ein Beitrag zur Vorgeschichte des Umsturzes in München 1918

mit einem Exkurs über die Gießener Jahre von Sarah Sonja Rabinowitz von Cornelia Naumann, edition AV, 24,90 Euro

Als das deutsche Kaiserreich im Sommer 1914 gegen Russland, Frankreich und England losschlug, waren auch Sozialdemokraten mit von der Partie.

Sie stellten das Wohl der Nation über die Solidarität mit den Arbeitern der anderen Völker. Erst waren es nur wenige, dann wurden es immer mehr, die das Gemetzel an den Fronten ablehnten und gegen den „Burgfrieden“ der SPD protestierten, unter ihnen Kurt Eisner und Sarah Sonja Lerch, geb. Rabinowitz.

Am 29. Januar 1918, vor genau Hundert Jahren, streikten auch in München Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter für Frieden und Volksherrschaft.

Ernst Lörcher im Jahr 1974: „Mein Vater hat politische Plakate im Fenster von seinem Mützenmacher-Laden im Lehel hängen gehabt. Das hat immer wieder Ärger gegeben. Mit einigen Nachbarn – und mit der Obrigkeit. Wenn der Vater von Versammlungen gekommen ist, hat er öfter vom Eisner erzählt oder von den aktiven Jugendlichen aus der Ecke vom Felix Fechenbach, von der Betty Landauer und der Sonja Lerch ... Vor allem die Frauen haben ihn stark beeindruckt ... Die Sonja Lerch hat die Revolution ja nicht mehr erlebt, sie ist noch davor in Stadelheim ziemlich mysteriös ums Leben gekommen.

Eingesperrt war sie dort, weil sie mit Eisner in Waffenfabriken gegangen ist und von Frau zu Frau erfolgreich zu Streiks aufgerufen hat. Sie war eine glühende Pazifistin und für meinen Vater eine begeisternde und überzeugende Rednerin. Die Betty Landauer war eher ruhig. Aber auch die konnte wohl scharf denken und fest diskutieren.

Einmal wollte mein Vater Flugblätter vor den Bayerischen Geschützwerken verteilen und ich durfte ausnahmsweise mit meinem neuen Radl mit, weil schulfrei war. Aber die Polizei war schon vor uns da. Wir haben abgedreht und uns mit den anderen hinterm nächsten Eck getroffen. Weil es den Frauen und Männern da mit uns Kindern zu gefährlich war, wurde die Verteilung der Flugblätter auf den nächsten Tag verschoben.

Danach sind eine Handvoll Leute und der Vater mit dem Radl zu einem Willi gefahren und haben beratschlagt. Wir Kinder haben derweil im Hof Räuber und Schandi gespielt ...“ Die Behörden konnten den Ausstand noch einmal „in ruhigere Bahnen lenken“. Sie zögerten das Ende nur hinaus. Im November 1918 brachen die Monarchien in Deutschland zusammen. Archiv der Münchner Arbeiterbewegung e.V. Ebenböckstr. 11, 81241 München Tel/Fax: 089/834 46 83 www.arbeiterarchiv.de Und zum Pazifismus

wird es sicher demnächst noch mehr Veranstaltungen geben müssen, denn die Kriegs-Stimmung in München wird von Twitterern wie Schlamassel, Mail-Hetze wie gegen Die Stadt-Akademie und alle, die noch das Wort Palästina zu schreiben wagen: Anti-Semitismus als Geschrei gegen alle Friedens-Bemühungen.

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