Revolution und Räterepubliken 1918/19

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1988 fand sich eine Gruppe von ca 50 Leuten zusammen, die an einem Projekt zu 70 Jahre Revolution und Räterepubliken 1918/19 mitwirken wollten, und bald zeigte sich, dass die Vielfalt der Ideen und Interessen, der Künste und Medien die gesamte Revolutionszeit abdecken konnte:

Ein Programm vom 7.November 1988 bis zum 2.Mai 1989 entstand.

Anschließend schuf die LH München, die mit 30T das Projekt mit monatlichen Übersichts-Plakaten, Raumkosten für Veranstaltungen etc. gefördert hatte, eine Stelle für Geschichtsarbeit im Kulturreferat.

Dokumentiert im Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

und auf http://raete-muenchen.de/projekt-revolution-und-raeterepubliken-1988

sowie auf www.plenum-r.org/ Moderne Zeiten / Erinnerungskultur

Zuerst war ja nur ein Abend oder eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Revolution und Rätezeit geplant,

doch dann waren mehr als 50 Leute zum ersten Treffen gekommen, die Vorstellungs- und Ideen-Runde wurde so reichhaltig, dass sich allmählich abzeichnete, dass viele Veranstaltungen möglich werden,

und es wurde eine Reihe von 6-7 Monaten, den gessamten Verlauf der Revolutions- und Rätezeit nachzuzeichnen, mit vielen begleitenden damals neuen Medien wie Film, Zeitzeugen-Interviews, Schulfunk-Sendungen, Demonstration, Plakatreihen, Lesungen und Ausstellungen.

Was sind schon 70 Jahre?

fragte man uns verwundert im Kulturreferat, als wir Zuschüsse beantragten, doch entstand in der Folge eine Stelle dort, denn Geschichtsarbeit war auch in der Kultur noch nicht so üblich gewesen.

Beginn an der Theresienwiese

Bild-Tafeln, Transparente, Volks-Redner, rote und schwarze und schwarz-rote Fahnen, Lastwagen mit Band und Schauspielerin drauf, ein Bus für direkte Demokratie: Nur gut 2.000 Teilnehmende statt der historischen 10.000, aber intensiv begleitet, denn wir schienen das gefährlichste, das die Stadt zu versammeln hat, und marschierten zur Mariensäule ... falsch:

Wir unterhielten uns prächtig, trafen alte Bekannte und plauderten über die kommenden Veranstaltungen, die wir vorbereitet hatten.

An der Mariensäule

hatte sich schon manches betende Volk versammelt, die Kirche hatte uns beim Kreisverwaltungsreferat KVR den Platz streitig machen wollen, denn sie hätte Priorität mit ihrer Feier zu 350 Jahren Mariensäule ...

und wir, bzw. unsere Frauengruppe, nutzten das verdutzte Publikum, um vor zu führen, wie viele Jahrhunderte Patriarchat in den Müll zu schmeißen sind. Der Zug ging weiter zum Odeonsplatz, mit einer Aufführung "Für Revolution ist gesorgt!" mit jai Lybel und der Gruppe "Interpreten", in der die Polizei eine Theater-Pistole beschlagnahmte ...

... und endete im Mathäser,

damals noch historische Bierhalle, mit einer Veranstaltung des DGB, in der neben anderen Vorträgen Dieter Hildebrandt aus dem 27-seitigen Auflagenbescheid des Kreisverwaltungsreferates vortrug ... Die Eisner-Ermordung am 21.Februar wurde mit einem Lichter-Weg von der Gedenkstelle begonnen

und mit einer Landauer-Lesung als Nachruf in der Seidlvilla beschlossen. Dort gab es über die ganze Zeit eine Ernst Toller-Ausstellung in der Seidl-Villa

Sein Leben war in der ganzen Villa als künstlerische Entwicklung dargestellt, bis zu seinem solidarischen Kampf für die Freiheit in Spanien, dessen Ende auch seinen Hoffnungen in New York ein Ende bereiteten. Eine Gustav Landauer-Lesung

stellte in einem Vortrag von Sigi Benker die anarchistischen und sozialistischen Ideale des Kommune- und Genossenschafts-Gründers in den Ideen-Horizont jener Zeit ...

Die Niederschlagung:

Die Erinnerung an die Ermordung von Gustav Landauer in Stadelheim am 2. Mai Die alte Propaganda

wirkte mit den damals frisch auf den Markt gekommenen Foto-Illustrationen des Heinrich Hoffmann, späterer Hitler-Leibfotograf (dessen Erben bis heute für jeden Abdruck kassieren) besonders intensiv.

Sieger schreiben die Geschichte ...

Frauen in der Rätezeit

Brotmarken und rote Fahnen von Christiane Sternsdorff berichtet von den Briefwechseln der Frauen vom Ammersee

Jüdisches Denken

der damaligen Zeit war nach dem "3.Reich" in der Rest-Bevölkerung wenig bekannt: Der Anwalt Philipp Loewenfeld beschreibt in seinen Erinnerungen das gutbürgerliche Leben mit der "alltäglichen Diskriminierung" durch einen herrschaftlichen Antisemitismus, an den Hochschulen und im Militär exemplarisch ausgelebt.

Frühere Erinnerungs-Projekte

1958 Feierstunde im DGB

1968

1978 / 79 Anarchistischer Demo-Zug vom Isartor (?) nach Stadelheim

1998 80 Jahre

2008 90 Jahre Protest