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Nach der friedlichen Revolution in Bayern am 7. November 1918

mit der Flucht des Königs und der Ausrufung der Republik / des Freistaates Bayern folgte am 9. November auch die Revolution in Berlin, die Flucht des Kaisers, aber die Reichstags-Sozialdemokraten, seit dem kaiserlich erneuerten Parlamentarismus an den Hebeln der Macht, wollten keine "rote Republik", wie sie von den meuternden Matrosen aus Kiel angestoßen und gefordert wurden, Arbeiter- Soldaten- und Bauernräte.

Das russische Vorbild, die Revolution dort vor einem Jahr, wirkte auf die Einen befreiend, auf die Anderen bedrohlich. Die Ermordung der Zaren-Familie war ein Signal, das den gesamten, bisher privilegierten Adel, in Angst und Unruhe versetzte, die aktive Gegenwehr anstachelte.

In dieser Stimmung trafen sich Räte aus allen bisherigen deutschen Fürstentümern und Ländern, in denen die Arbeiter und Soldaten die Macht übernommen hatten, und nun nach ihren direkten Forderungen, den passenden Beteiligungs- und Regierungsformen suchten, zum

Räte-Kongress im Dezember in Berlin

Auch eine Abordnung aus München war dort, und Kurt Eisner wollte eine Mischung aus Vollzugs-Räten und einem gesetzgebenden Parlamentarismus.

Dass Parteien IMMER eine ent-zweiende Wirkung haben, war durch den Ausschluss der Pazifisten aus der Reichstags-SPD und die Gründung der Abspaltung als USPD zwar gerade erlebt worden, doch waren die Wanderungen der Einzelnen zwischen den Parteien noch im Gange:

Idealistischer Anarchismus oder pragmatischer Marxismus, Sozial-Reformer und Frauen-Rechtlerinnen, im Kampf um den 8-Stunden-Tag - auch für das Gesinde? Die hatten rund um die Uhr zu dienen, waren dafür doch im Hause ...

Wie sich die Räte praktisch organisierten, Delegierte ernannten und ihrer Basis berichteten, war ja noch neu: Die Sitzungsprotokolle wurden wie im Parlament geführt.

In München wurden durch die von der Mehrheits-Sozialdemokratie MSPD geforderten Landtagswahlen im Januar alle Kräfte beschäftigt, während die Organisation von Lebensmitteln die Menschen beschäftigte.

Nach der Wahl-Niederlage wollte Kurt Eisner zur Eröffnung des Landtags am 21. Februar 1919 in der Prannerstraße seinen Rücktritt erklären, wurde aber auf dem Weg dort hin vom bündisch-katholischen Jura-Studenten Anton Arco von hinten erschossen.

Durch "Rache-Schüssen" mit mehreren Verletzen und Toten im Landtag traf sich dieser längere Zeit nicht mehr, die Beerdigung Eisners wurde zu einem Landes- und Stadt-bewegenden Ereignis.

Die Arbeiter- Bauern- und Soldatenräte treffen sich im März 1919 zu einem Kongress im Deutschen Theater.

Einer Mitarbeit in einer anarchistischen Räte-Republik verweigern sich die inzwischen neu organisierten Kommunisten, sie nennen sie Schein-Räte-Republik, weil sie nicht wirklich die Macht hätte.

Am 7. April, Gustav Landauers 49. Geburtstag, Nationalfeiertag: Erste Räterepublik

Ein provisorischer Zentralrat von Volksbeauftragten, wie sie die "Minister" jetzt nennen ... Landauer macht Pläne für eine erneuerte Hochschule, andere planen Geld-/ Zins-Reform

Am 13. April Palmsonntagsputsch, etliche Räte wie Erich Mühsam werden verhaftet und nach Ebrach in den Knast verschleppt. Zenzl Mühsam konnte noch einige Räte warnen ...

Kämpfe um den Hauptbahnhof, die Angreifenden der "Bamberger Regierung" von Ministerpräsident Hofmann und der MSP mit Unterstützung der Thule-Gesellschaft in München als Spitzel und reaktionären Söldner-Gruppen, Freikorps genannt, die arbeitslose Soldaten mit reichlich Geld angeworben hatten.

Gleichzeitig gibt es reichlich Propaganda und wieder Streit um die Presse, die mit Hetz-Nachrichten auch mit Fliegern ihre Flugblätter verteilten: "In München rast der russische Terror, die Frauen werden vergesellschaftet ...

Im Hofbräuhaus gründet sich der neue Zentralrat - nun mit den Kommunisten

Eine Rote Armee Baiern wird aufgestellt, verteidigt sich gegen erste Angriffe bei Dachau, wo eine Munitionsfabrik und eine Papierfabrik "kriegswichtig" sind und von Arbeitenden mit verteidigt werden.

Ende April kommen Reichswehr-Truppen aus Berlin und Württemberg zu Werdenfelser Burschen und schließen einen Ring um München, sperren die Versorgung und schießen bis 2. Mai jeden Verdächtigen, jeden Widerstand nieder, wohl um die 1.000 Frauen und Männer.

Danach werden Beteiligte am "Hochverrat" zu hohen Strafen verurteilt, die meisten Mörder "mangels Beweise" freigesprochen. Es ist besser, den Mund zu halten und zu flüchten ...

Ret Marut - B.Traven - Ziegelbrenner - Kain - Ernst Toller - www.gustav-landauer.org - https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Landauer