Prvic Luca

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Theaterpädagogische Elemente für die Flüchtlingsarbeit in Zagreb

12. -22. September 1994 in mehreren Teilen auf Prvic, in Kutina, in Zagreb und Pula

Das Centre for Creative Work, Children's creative Action in Zagreb hatte mit einer Friedens-Tournee auch in Deutschland um Zusammenarbeit geworben. Im Vordergrund steht die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Frauen in Flüchtlingslagern, die durch die nationalen Pogrome und Kriegshandlungen aus ihrem Kontext gerissen und in provisorischen Verhältnissen leben.

SozialarbeiterInnen und Freiwillige aus vielen Ländern versuchen, diese Lebenssituationen so zu gestalten, daß einerseits die traumatischen Erlebnisse verarbeitet, andererseits das politische Geschehen verstanden und neu gestaltet werden kann.

Die Elemente des Theater der Unterdrückten kommen aus ähnlichen Situationen. Ziel der Arbeit wird die Schaffung selbst-erkennender und selbst-stärkender Methoden zuerst für Mitarbeitende, in deren Arbeit dann für die Kinder und Jugendlichen sein.

Die kroatischen Partner sind seit längerem an der Planung und in der Praxis, durch Kontakte zu verschiedenen kreativ arbeitenden KollegInnen die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen auch auf professionelle Basis im eigenen Land zu stellen. Viele der einheimischen MitarbeiterInnen hatten bisher nicht genügend Gelegenheit, entsprechende Arbeitsmodelle kennenzulernen, in der bisherigen Ausbildung sind emanzipatorische Elemente so selten wie hier in konventionellen Einrichtungen.

Um die Elemente der Theaterarbeit auch langfristig zu verankern, hat eine Gruppe Freiwilliger aus der BRD, die aus sozialpolitischen Zusammenhängen kommen, an der Werkstatt teilgenommen und wird in ihrer weiteren Arbeit sowohl dort als auch in Gruppen zu Hause mit diesen Methoden arbeiten.

Programmverlauf:

12.9. Anreise nach Zagreb, Information über die aktuelle Situation in den Lagern, Weiterfahrt nach Sibenic mit dem Bus (acht Stunden) Fähre nach Prvic Luca, Ankunft in der "Jugendherberge", ein Lager für etwa 60 Personen, Besprechung Raumsituation und Zeitplanung.

13.9.	1. Einheit: Das Spiel der Körper im Raum, Umgang mit Ängsten und Deformationen

2. Einheit: Theater als Wahrnehmung: Theater der Unterdrückten: Seine Geschichte und unsere Gegenwart

3. Einheit: Vorstellung der bisherigen Arbeit, Austausch über Versuche und Erfolge

14.9.	4. Einheit: Übungen und Spiele ansiedeln: Alter, Ort, Situationen

5. Raum wahrnehmen, Orte er-proben, Geschichten des Ortes hören

6. Geschichten aus der Zukunft: Wie sie zu uns kommen, wie wir sie begrüßen

15.9.	7. Einheit: Bilder der Gegenwart: Statuentheater als Methode und in seiner Anwendung

8. Einheit: Geschichten von Gestern und Vorgestern: Wie kommen sie wieder?

9. Einheit: Reisen im Kopf - Ziele für Träume: Wie kann ich an meinem Ort die Zeit verändern?

10. abends: Empfang mit den KollegInnen und den Freiwilligen beim Bürgermeister, Besprechung der Projektidee eines internationalen Kinder- und Jugendferienlagers in Prvic Luca, Möglichkeiten des Aufbaus durch eine Kooperation

16. 9.	11. Einheit: Forum-Szenen entwerfen und durch das Publikum verändern lassen: Was kann ich anders spielen?

12. Einheit: Geschichten von der Veränderung: Märchen und Zauberei?

17. 9.	13. Einheit: Manchmal bin ich unsichtbar: Präsenz-Übungen im Raum

14. Einheit: Haltungen von Aufgeben und Widerstand leisten: Schwach und Stark, starr oder zäh

15. Einheit: Wie's weitergehen soll: Szenen zu unseren Wünschen und Plänen Vereinbarungen für die Zukunft: Wie finden unsere Wege wieder zusammen?

18. 9. 15. Einheit: Geschichten vom Abschied nehmen, Nachbesprechung, Abrechnung vor Ort,

"Großer Bahnhof" am Hafen, Rückfahrt mit der Fähre nach Sibenic und dem Nachtbus nach Zagreb. Weiterreise nach Kutina im Nordosten, knapp vor der ungarischen Grenze.

Die dortige Gruppe arbeitet in einem großen Flüchtlings-Bauten-Dorf des Dänischen Roten Kreuzes, das auf der materiellen Versorgungsseite vorbildlich ist. Die emotionale Verständigung wurde im Workshop thematisiert. Dieser Projektteil wurde in Absprache schon weitgehend von den anderen deutschen TeilnehmerInnen gestaltet.


Dort:	1. Das Spiel der Körper im Raum, Umgang mit Ängsten und Deformationen

2. Theater als Wahrnehmung: Theater der Unterdrückten: Seine Geschichte und unsere Gegenwart

19.9.	3. Vorstellung der bisherigen Arbeit, Austausch über Versuche und Erfolge

4. Übungen und Spiele ansiedeln: Alter, Ort, Situationen

5. Raum wahrnehmen, Orte er-proben, Geschichten des Ortes hören

20.9.	6. Geschichten aus der Zukunft: Wie sie zu uns kommen, wie wir sie begrüßen

7. Bilder der Gegenwart: Statuentheater als Methode und in seiner Anwendung

8. Reisen im Kopf - Ziele für Träume: Wie kann ich an meinem Ort die Zeit verändern?

21.9	10. Statuenarbeit auflösen: Bildertheater sucht nach den Ansätzen der Veränderung

11. Forum-Szenen entwerfen und durch die anderen verändern lassen: Was kann ich anders spielen?

12. Wie's weitergehen soll: Szenen zu unseren Wünschen und Plänen, Vereinbarungen für die Zukunft der gemeinsamen Arbeit möglicherweise auch über die Österreichischen KollegInnen

22. 9.	Abschied und Rückreise nach Zagreb

Besuch bei der Freiwilligen-Organisation Sunkocret (Sonnenblume), Erfahrungsaustausch Schlussbesprechung der bisherigen Workshops im Center in Zagreb,

23. 9.	Weiterreise einer Teilgruppe in das Flüchtlingslager in Pula, spätere Rückreise nach Berlin Rückreise und Nachbesprechung des anderen Teils im Zug nach München
Ich danke allen TeilnehmerInnen für die ungewöhnlich offene und herzliche Zusammenarbeit, aus der durchaus größere gemeinsame Projekte, wie das internationale Ferienlager auf Prvic entstehen könnten.

Die Zagreber KollegInnen haben uns hervorragend aufgenommen und begleitet, so daß eine wirklich starke und tiefgehende Auseinandersetzung mit der Lebenssituation der Flüchtlinge möglich wurde.

Die Arbeit der vielen internationalen Freiwilligen ist zwar anstrengend, (sehr oft in nur drei Wochen von der lokalen Situation zur Arbeit mit den Frauen, Kindern und Jugendlichen zu kommen,) aber auch so spannend, daß sich ausgerechnet im Krisengebiet die feinste Ansammlung internationaler Jugendlicher findet. In Deutschland entsteht aus der Auswertung dieser Aufenthalte gerade eine neue Ebene der Auseinandersetzung mit der politischen Rolle der BRD und der Hoffnung der Bosnier und der Kroaten in diesem Konflikt.
Den KooperationspartnerInnen im buntstift und im bayrischen Regenbogen danke ich für Beratung und Begleitung, für ausführlichere mündliche Berichte stehe ich gerne zur Verfügung, eine Studie zur Verwirklichung des Feriencamp-Projektes im Lauf der nächsten Jahre (von der Pädagogischen Konzeption bis zur ökologisch fundierten Verwirklichung in einem Rahmen regionaler Tourismus-Entwicklung) werde ich in der Folge entwerfen.

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