Paulo Freire

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Selbstbestimmtes Lernen und befreiende Pädagogik für alle: Weltweiter Austausch politischer PädagogInnen und AktiveR in Bewegungen & Sozialer Pädagogik


“AUFBEGEHREN GEGEN DAS SYSTEM” Interview über freie Schulen und das repressive Bildungsmodell

Einen Gegenentwurf zum repressiven Bildungssystem in Honduras schafft eine Gruppe engagierter Lehrkräfte in Erandique im Westen des Landes: Dort gründeten sie eine freie Schule, in der die Befreiungspädagogik des Brasilianers Paulo Freire umgesetzt wird. Die Lateinamerika Nachrichten sprachen mit der Pädagogin und Mitgründerin María Guadalupe Muñoz Cruz über den Gründungsprozess, ihre Motivation und die Besonderheiten ihrer Arbeit.

Nachruf Paulo Freire

Paulo-Freire-Gruppe München, damals Paulo Freire Gesellschaft eV.**

für aktuelles: eineweltnetz.org und zbb-ev.jimdo.com sowie

Pressemitteilung Sonntag, 4. Mai 1997 Table of Contents

Wir haben einen Freund verloren

Paulo Freire starb 75-jährig in Sao Paulo Am Freitag, 2. Mai '97 verstarb unser Freund und Vorbild Paulo Freire.

Wie kein anderer pflegte er den Dialog und ermunterte alle pädagogisch und politisch Tätigen, die Lebenswelt mit den Lernenden zu teilen und mit ihnen gemeinsam Wege zu entwickeln,
ihre Situation zu verändern. Wir werden versuchen, sein Anliegen weiter zu verwirklichen.

Kurzporträt Paulo Freire

Geboren am 19.9.1921 in Recife (Nordosten Brasilien) unter dem Namen Paulo Reglus Neves Freire

       1928** aufgrund der Weltwirtschaftskrise, Umzug mit der Familie nach Joboatao. Als Paulo Freire 13 Jahre alt war, starb der Vater und für eine ganze Reihe von Jahren regierte der Hunger in Paulo Freires Leben. 

"In der Schule konnte ich das Vierer-einmaleins nicht, kannte auch nicht die Hauptstadt Englands, ich kannte aber die Geographie des Hungers..." Mit großer Anstrengung gelang es ihm, ein Jurastudium zu absolvieren.

       1944** Heirat mit Elza Maria Oliviera, einer Grundschullehrerin. Von ihr wurde er angeregt, sich intensiv mit erziehungswissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen.
       1946** Arbeit als Lehrer für portugiesische Sprache in der Abteilung für Erziehung und Kultur im Sozialdienst der Industrie, später dort als Direktor für den Bundesstaat Pernambuco tätig.
       1956** verließ Freire sein Amt im Sozialdienst der Industrie teils wegen Unstimmigkeiten mit der Unternehmensseite bezüglich seiner demokratischen Arbeitsmethode, teils weil ihm die Grenzen der assistenzialistischen Hilfe bewußt wurde.
       1961** startete eine von Freire konzipierte Alphabetisierungskampagne in Brasilien auf nationaler Basis. Der damalige Präsident Goulart ordnete an, daß mit Freire's Methode in "20.000 Kulturzirkeln" 2 Millionen Erwachsene alphabetisiert werden sollten..
       1964** Staatsstreich durch die Militärs, Freire mußte 75 Tage ins Gefängnis und dann ins Exil. In der Folgezeit arbeitete er u.a. 4 Jahre in Chile (Agrarministerium, Fortbildung für landlose Bauern) und ein Jahr an der Universität in Harvard (USA) als Gastprofessor.
       1971** übernahm er beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf die Stelle als Berater für Bildungsfragen in den "Entwicklungsländern". In dieser Zeit war er in vielen Ländern (spez. in Sao Tomé und Principe, Mozambik, Angola, Nicaragua) tätig.
       1980** nach der Demokratisierung in Brasilien die Erlaubnis zur Rückkehr aus dem Exil. Dort Mitarbeit u.a. im Rahmen der Erzdiözese Sao Paulo (Kardinal Arns), an der Kath. Universität (PUC), sowie ab 1989 als Stadtrat für Erziehungsangelegenheiten in Sao Paulo.
       1991** trat Freire von diesem Posten zurück, um wieder mehr im Bereich der wissenschaftlichen und beraterischen Arbeit tätig zu sein.
       1994** hatten wir Paulo Freire und seine zweite Frau, die Historikerin Ana Maria Freire in München zu Gast.
       Zu seinem zentralen Thema "Verantwortung in der dritten und ersten Welt übernehmen."**

"Die an mich oft gerichtete Frage oder Feststellung lautet: "Paulo, Du bist ja schon ein interessanter Mensch. Auch Dein Diskurs ist schön, aber Du sprichst nicht von unserer Wirklichkeit. Wir, in der Ersten Welt, haben nichts mit dieser Bewußtseinsbildung zu tun."

Hinter solchen Feststellungen oder Fragen verbirgt sich in Wirklichkeit die Angst davor, die Dritte Welt in der Ersten Welt zu entdecken. Es ist die Angst davor, die Verantwortung für die ungerechte Weltordnung zu übernehmen, "anzunehmen".

Es ist das Schuldgefühl, Erst-Weltler zu sein. Dieses Schuldgefühl sollte abgelegt, am besten auf den Müllhaufen geworfen werden. Keine Angst vor der Freiheit zu haben, das ist notwendig. Ich spreche von Pädagogik, der Wissenschaft der Erkenntnis, von Politik etc. und ich glaube nicht, daß alle diese Bereiche, über die ich spreche, daß es diese Bereiche in der "1. Welt" nicht geben soll.

Ich spreche genau von dieser pädagogischen Beziehung zwischen den Menschen und ich glaube nicht, daß diese pädagogische Beziehung zwischen den Menschen der "1. Welt" nicht stattfindet. Das ist also die "Angst vor der Freiheit" von den "Erst-WeltlerInnen". Ich sage Euch aber auch, daß ich Angst vor der Freiheit habe. Was ich aber wirklich versuche, in meinem Leben zu praktizieren, ist: die Freiheit zu lieben und nicht Angst vor ihr zu haben." Paulo Freire hat von über 20 Universitäten die Ehrendoktorwürde erhalten.

Seine Bücher sind in 18 Sprachen weltweit übersetzt. Die wichtigsten Bücher, in denen er die Grundelemente seiner befreienden Pädagogik darlegte, waren:

Sein letztes Buch "Im Schatten des Mangobaumes" (Rio 1995) kann als Kritik am neoliberalen Wirtschaftsmodell gelesen werden.

In ihm entwickelt er die Aufgaben des dialog-orientierten progressiven Pädagogen in postmodernen Zeiten.

Die Ideen Paulo Freire's wurden hier durch die 1977 gegründete Europäische Arbeitsgruppe Bewusstseinsbildung verbreitet, die sieben Mitgliedsgruppen umfasste:

  • ArbeitsGemeinschaft SozialPolitischer ArbeitsKreise München, AG SPAK und AG SPAK Verlag auf AG SPAK Verlag
  • Centro di Animazione per 'l Autogestione Populare (Palermo / Italien),
  • Friedensuniversität Namur (Belgien) *
  • Jugendakademie Walberberg (Bornheim- Köln)
  • Institut Oecuménique pour le Dévelopement des Peuples (Paris),
  • Mouvement d' Animation de Base / International Ontmoetingscentrum (Hasselt / Belgien) und die
  • Escuela Professionale Emigrati / Berufsschule der Emigrierten (Zürich).

Aus diesem Dachverband ist Anfang der neunziger Jahre in Deutschland und Belgien die Paulo-Freire-Gesellschaft e.V. München entstanden, die sich der Aufgabe stellt, die theoretischen Grundlagen der Freire-Pädagogik zu erforschen und die Praktiker mit den Forschern in Verbindung zu bringen.

Zahllose Fachtagungen wurden in den verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt. Vor allem in Latein- und Mittelamerika hat Paulo Freire grundlegende Veränderungen in der Erwachsenenbildung bewirkt, aber auch in Afrika bildet sein Ansatz die Grundlage der bildungspolitischen Basisarbeit.

Freire selbst hat längere Zeit in den ehemaligen portugiesischen Kolonien (Angola, Mozambik, Sao Tome und Principe) gearbeitet und dort einen entscheidenden Einfluß auf das Bildungssystem ausgeübt.

Heute werden die anthropologischen und pädagogischen Prinzipien der Freire-Pädagogik in Schwarzafrika in zahllosen Bildungsorganisationen angewandt.

Das letzte Heft unserer Zeitschrift für befreiende Pädagogik ist diesen Projekten gewidmet.

Für Juli dieses Jahres war Paulo Freire von der UNESCO zum Weltkongress der Erwachsenenbildung nach Hamburg eingeladen, die Paulo-Freire-Gesellschaft plante eine Tagung in Loccum und Treffen mit ihm in verschiedenen Städten.

Ein Sammelband mit Berichten aus der Arbeit in unseren europäischen Situationen ist für Sommer geplant.

Die Universität Oldenburg wollte ihm die Ehrendoktorwürde verleihen. Für das Wintersemester '97 hatte ihn die Harvard-Universität zur Entwicklung einer Pädagogik für das 21. Jahrhundert eingeladen.

  • ) Vorstand der Paulo-Freire-Gesellschaft 1996-98: Eva Maria Antz (Köln-Brühl), Marita Hecker, Frankfurt, Dr. Heinz Peter Gerhardt (Bonn), Fritz Letsch (München), Prof. Dr. Manfred Peters (Namur), Andreas Schauder (Schallstadt-Wolfenweiler), Heinz Schulze (München) Dr. Ilse Schimpf-Herken, Berlin

Danke dem Trend-Internet-Magazin für die Gestaltung und Weitergabe der Seite:

die UNESCO hatte ihn als Hauptredner zur Weltkonferenz Erwachsenenbildung eingeladen und plant ein internationales Memorial

der pädagogische US-Fachverlag Peter Lang plant für die nächste Ausgabe der Taboo eine Würdigung Peter Lang Publishing

Literatur

waxmann-Verlag

Tagung

paulo-freire-kongress-2018

In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung sind die Erfahrungen mit seiner Pädagogik neu zu bewerten. Auch die Debatte um die theoretischen Grundlagen einer Theorie der Dialogischen Pädagogik als Praxis der Freiheit soll weitergeführt werden. Freires Denken bündelt die humanistische Tradition und positioniert sie neu im Kampf um friedliche Formen eines inklusiven Zusammenlebens mit der Teilhabe aller an den Ressourcen – global, regional, lokal, eingebunden in die Auseinandersetzungen um ‚gender‘, ‚class‘ und Rassismus.

https://www.conferences.uni-hamburg.de/event/12/

Auf dem geplanten Kongress geht es zunächst um eine Bestandsaufnahme des Wirkens von Freire in verschiedenen Ländern und Arbeitsbereichen. Die Vielfalt der Anwendungsfelder soll einem breiten Fachpublikum und der öffentlichen Debatte präsentiert werden. In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung sind die Erfahrungen mit seiner Pädagogik neu zu bewerten.

Auch die Debatte um die theoretischen Grundlagen einer Theorie der Dialogischen Pädagogik als Praxis der Freiheit soll weitergeführt werden. Freires Denken bündelt die humanistische Tradition und positioniert sie neu im Kampf um friedliche Formen eines inklusiven Zusammenlebens mit der Teilhabe aller an den Ressourcen - global, regional, lokal, eingebunden in die Auseinandersetzungen um ‚gender‘, ‚class‘ und Rassismus. Wie können wir die Ansätze von Freire hier und heute erfolgreich nutzen?

Auf der Tagung sind verschiedene Diskussionsforen geplant. Wir bitten um Beiträge. Wir freuen uns über Projekte, die sich im Rahmen des Kongresses vorstellen. Parallel zu den Foren werden Workshops zu praktischen Umsetzungen von Freires Ansätzen aus den Bereichen Theaterpädagogik und Kunsttherapie angeboten.

Adressatenkreis: PraktikerInnen, Studierende, Lehrende in allen pädagogischen und sozialen Bereichen und alle Interessierten. Die Teilnahme am Kongress kann als Fortbildung bescheinigt werden.

Tagungsbeitrag: 60.- Euro, ermäßigt 30.- Euro

Organisation:  Paulo Freire Kooperation e.V. (www.freire.de) Stefan Berzel, Prof. Dr. Dietlinde Gipser, Dr. Heiner Zillmer

 Fakultät für Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg Prof. Dr. Joachim Schroeder


"Paulo Freire hat als Pädagoge Hoffnungen geweckt und bestärkt wie nur wenige Menschen in seinem Jahrhundert. Mit seinem dialogischen Prinzip hat er neue Wege der Beziehungen zwischen Lernenden und Lehrenden gezeigt. Seine Arbeit stärkte weltweit demokratische Basisprozesse. Er war der Pädagoge der Unterdrückten und vermittelte die Pädagogik der Hoffnung.

Die Sozialpastoral Lateinamerikas und die Theologie der Befreiung wurden von ihm beeinflusst. Er entwickelte eine Alphabetisierungsmethode, mit der innerhalb von 40 Unterrichtsstunden Lesen und Schreiben erlernt werden konnte.

Diese Methode machte Paulo Freire bei den Diktatoren verhasst, sodass er nach dem Putsch in Brasilien verhaftet und anschließend aus seinem Land ausgewiesen wurde. In Chile erarbeitete er anschließend für die UNESCO ein ähnliches Alphabetisierungsprogramm.

Der Weltkirchenrat in Genf war ihm nach dem chilenischen Putsch lange Zeit eine neue Heimat. Von dort unterstützte er die jungen, aus portugiesischer Kolonialherrschaft befreiten Staaten Afrikas und den Alphabetisierungs-Kreuzzug in Nikaragua. Als letzter Exilierter des Militärputschs von 1964 durfte Paulo Freire wieder nach Brasilien zurückkehren. Er war Mitbegründer der stärksten politischen Gruppierung, der Partei der Arbeiter (PT), und übernahm wichtige Funktionen im Bildungsbereich.

Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt, waren aber auch in vielen Ländern verbotene Literatur. Dort wurden sie teilweise abgeschrieben und von Hand zu Hand weitergegeben. In Europa beeinflussten die Gedanken Paulo Freires alle pädagogischen Bereiche: Sozialarbeit, Erwachsenenbildung, Schule, Kindergartenarbeit, außerschulische Jugendbildung.

In Wissenschaft und Praxis ergeben sich viele Berührungspunkte mit seiner Pädagogik: Soziologie, Ökonomie, Psychologie, Theologie, Linguistik, bildende Kunst oder Theaterarbeit. Die Vielfalt der Überschneidungen bietet eine Chance den Weg in eine nachmoderne Gesellschaftsform zu finden, die das Individuelle im Menschen stärkt und im Globalisierungsprozess das Gemeinsame aller Menschen hervorhebt."

https://www.conferences.uni-hamburg.de/event/12/


critical theory

"Frankfurt School theorists drew on the critical methods of Karl Marx and Sigmund Freud. Critical theory maintains that ideology is the principal obstacle to human liberation.[2] Critical theory was established as a school of thought primarily by the Frankfurt School theoreticians Herbert Marcuse, Theodor Adorno, Max Horkheimer, Walter Benjamin, and Erich Fromm. Modern critical theory has additionally been influenced by György Lukács and Antonio Gramsci, as well as the second generation Frankfurt School scholars, notably Jürgen Habermas. In Habermas's work, critical theory transcended its theoretical roots in German idealism and progressed closer to American pragmatism." en.wikipedia.org/wiki/Critical_theory

"Critical theorists have widely credited Paulo Freire for the first applications of critical theory towards education. They consider his best-known work, Pedagogy of the Oppressed, a seminal text in what is now known as the philosophy and social movement of critical pedagogy."

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