Paulo Freire

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Selbstbestimmtes Lernen und befreiende Pädagogik für alle: Weltweiter Austausch politischer PädagogInnen und AktiveR in Bewegungen & Sozialer Pädagogik


“AUFBEGEHREN GEGEN DAS SYSTEM” Interview über freie Schulen und das repressive Bildungsmodell

Einen Gegenentwurf zum repressiven Bildungssystem in Honduras schafft eine Gruppe engagierter Lehrkräfte in Erandique im Westen des Landes: Dort gründeten sie eine freie Schule, in der die Befreiungspädagogik des Brasilianers Paulo Freire umgesetzt wird. Die Lateinamerika Nachrichten sprachen mit der Pädagogin und Mitgründerin María Guadalupe Muñoz Cruz über den Gründungsprozess, ihre Motivation und die Besonderheiten ihrer Arbeit.

Paulo Freire und die befreiende Pädagogik

Paulo Freire und die befreiende Pädagogik: gestern, heute und morgen (Anfang) theater-methoden.blogspot.com/2007/05/paulo-freire-und-die-befreiende_30.html

Revolutionen finden in den Köpfen statt, und ich glaube, nur wenige Menschen unserer Tage und Jahrzehnte haben so viele Köpfe verändert, wie Paulo Freire in seiner Ausstrahlung und Wirkung über viele Menschen, die wiederum alphabetisierten, Bewusstsein bildeten und andere fortbildeten.

Seine Botschaften waren ja auch meist so einfach, einleuchtend und selbstverständlich, dass uns manches Zitat wie aus dem Kalender vorkommt, wie mancher altbekannter guter Aphorismus, immer wieder neuen Menschen zugeschrieben, wie zB. "Der Weg kommt beim gehen". Volkskunst eben.

Trotzdem ist Freire den meisten heutigen Pädagogen in Bayern noch unbekannt geblieben, weil die alte Kommunismus-Angst noch immer mit Totschlag-Argumenten herrscht, zuletzt auch wieder vom Papst wiederholt, als ewiggestrige Abwehr der Theologie der Befreiung, die im gleichen Kontext wie diese Pädagogik entstanden ist.

Gehen wir ein paar Jahrzehnte zurück: Als Student der katholischen Religions- und Gemeindepädagogik habe ich etwa 1973 in einem der damaligen politisierenden Kreise zur Einewelt-Arbeit die ersten hektografierten Blätter in die Finger bekommen, die wir begeistert im Zirkel diskutierten:

Das Bankierssystem des Lernens, die Einlagen im Kopf der Schüler, die Wiederholung meines alten Wissens als scheinbaren Zins: Auch unsere Dozenten hatten gerade den antropozentischen Ansatz entwickelt, nicht mehr den Kanon der Katechismusfragen und der Wunder Jesu auswendig lernen zu lassen, sondern sich erst selbst zu fragen, was das jeweils im Leben unserer Schüler gerade zu sagen hat.

Freire ging weiter, wie auch wir damals: Die ersten Transparente bei der Fronleichnamsprozession waren ein Skandal, der jugendliche Aufbruch mit dem Motto "Wir sind Kirche" war schon kaum für eher aufgeschlossene Personen, wie damals auch Kardinal Döpfner, wirklich vermittelbar.

Eine Figur der Werbung für kirchliche Berufe dieser Zeit: Dom Helder Camara, der mutige Erzbischof aus dem armen Nordosten Brasiliens, mutig gegen Grossgrundbesitzer und Militärdiktatur, heut fast nicht mehr vorstellbar:

Ministerpräsident Franz Josef Strauß verkauft den Diktatoren Waffen, fädelt Geschäfte ein, die Zeitungen berichten stolz darüber, zeigen die Bilder, unser ohnmächtiger Protest verhallt unverstanden. Kein Wunder, dass sich andere dabei radikalisierten und den Befreiungskampf aus Südamerika in die deutschen Städte tragen wollten, bis heute bleiben sie in den Auseinandersetzungen unverstanden.

Wir radikalisierten uns mit Freire in der anderen Richtung: Die Waffen auf der Seite der Armen liegen in der Bildung, wie Paulo Freire schon in den 60er Jahren in Brasilien beweisen konnte: In der ersten Alfabetisierungskampagne noch vor der Militärdiktatur hatte er eine Steilvorlage aus der Politik bekommen, die er mit seinen Studierenden intelligent nutzte:

Nur Menschen, die Lesen und schreiben konnten, sollten zur Wahl gehen dürfen, bestimmte die damals noch liberale Regierung. Also bereiteten Freire und seine Freunde die Studierenden in vielen Zirkeln darauf vor, in den Semesterferien in ihr jeweiliges Dorf zu gehen, und den Leute in kurzen Kursen dies beizubringen.

Aber nicht nur Buchstaben, wie wir dies kennen, für die Kinder, sondern in Silben, wie das in Portugues leichter zu gliedern und merken ist, und mit dem Hintergrund der Schlüsselbegriffe: Welche Themen bewegen diese Menschen, in welchen Widersprüchen leben sie, welche Worte zu schreiben wird für sie wichtig? Bewusstseinsbildung entsteht.

Bewusstsein ist ist nicht einfach Wissen um Tatsachen, sondern auch um ihr Entstehen und ihre Möglichkeit der Veränderung: Wenn ich weiss, wie der Grossgrundbesitzer zu seinem Besitz kam, weiss ich auch, dass das nicht Schicksal ist, bekomme die Fähigkeit, die Zukunft auch anders zu denken. Getreu der Devise Thomas Müntzers: "Als Adam pflügte und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?"

Wenn ich weiss, dass Unrecht immer Verteidigung braucht, weil es ein instabiler Zustand ist, wie uns Hildegard Goss-Mayer in der Friedensarbeit der folgenden Jahre auch hierzulande beibrachte, höre ich die entsprechende Botschaft, die in der Pädagogik der Unterdrückten angelegt ist: Die Armen sind eher fähig, zu lernen, weil sie nichts zu verteidigen haben.

Heute sehen wir das in einem kritischeren Licht, und Augusto Boal ist kürzlich daran gegangen, eine "Ästhetik der Unterdrückten" zu entwerfen: Wie können wir uns aus den mit Konsumversprechen zugemüllten Bewusstseinshalden befreien?

Boal, zehn Jahre jünger als Paulo Freire, hatte mit dem Theater der Unterdrückten einen weiteren Flügel der Bewusstseinsbildung aufgemacht, den er auf Freire's Pädagogik gründete: Beide waren dann in den 70er Jahren zuerst in südamerikanischen Ländern an der Arbeit, dann in Europa im Exil, Freire in der Schweiz, Boal in Paris.

Freire erstellte als Berater in Bildungsfragen in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern für den Ökumenischen Weltkirchenrat in Genf Alphabetisierungskampagnen für afrikanische Länder wie Guinea Bissau, Boal hielt Workshops in ganz Europa, hauptsächlich für Schauspieler, und versuchte, Inszenierungen an Theatern zu bekommen, aber die Sprache der lateinamerikanischen Poesie war nur den alternativen Kreisen als befreiend erlebbar, die herrschende Schicht wusste zu sehr um das Unrecht, das aus der Geschichte immer wieder spürbar wurde.

Ich hatte bis dahin ein paar Berufsjahre und nebenbei eine konventionelle Schauspielschule erlebt und fand die Grundlage für meinen neuen Aufbruch (Ratzinger hatte inzwischen seinen freundlichen Mehltau auf München gelegt, und viele hoffnungsvollen Erneuerungen des Konzils und der Synode wurden zurückgenommen) in einem Projekt von Boal, das er mit arbeitslosen Schauspielenden in München inszeniert hatte: Forum-Theater, durch das Publikum zu verändern.

In der Folge gab es hier und in Berlin regelmäßig Workshops und ich hatte mein neues Berufsfeld für die nächsten 25 Jahre gefunden: In der Jugendarbeit, in Fortbildungen in Verbänden war ich durchs ganze Land unterwegs, die Methoden zu vermitteln, nicht nur Statuen zu den generativen Themen der Teilnehmenden, sondern auch grosse Forum-Aufführungen mit den Leuten zu entwickeln.

Eine der größten in der Olympiahalle brachte vor die staunenden 10.000 Besucher der Nacht der Solidarität des Katholikentages 1984 in München in 12 Minuten ein schwules Coming-out, und viele der Szenen spielten in den Strassen des Landes, von der Pershing-Stationierung bis Folter-Darstellung vor der Philharmonie in Berlin, anlässlich eines grossen Tango-Abends dort.

1994 hatten wir Paulo Freire zu Gast in München und in einigen deutschen Städten, und er sagte uns vor allem: "Befreit euch von eurem schlechten Gewissen!" - Das hatte er in etlichen Äusserungen unserer vielen hundert Teilnehmenden gespürt, aber auch eine grosse Freude über die Darstellung der Praxis unserer KollegInnen in der Freire-Gesellschaft: Von Asylarbeit und Migrantenkindern in der Schule, Drogenarbeit und der Last der LehrerInnen war da die Szenen und die Rede.

Ein bitteres Beispiel der Angst vor dem katholischen "Kommunisten" aus Brasilien erlebten wir in der Münchner Universität: Flavia Mädche hatte gerade über den Dialog in der Erziehungskonzeption von Paulo Freire promoviert, das Buch heisst: "Kann lernen wirklich Freude machen?"

Überglücklich berichtet sie in der Uni, dass gerade zum Zeitpunkt ihrer Verleihung der Doktorwürde Paulo Freire, Ehrendoktor von mehr als 30 Universitäten, in München zu Gast ist. Der Kultusminister wird über die Bühne in den Saal geleitet, die Begrüßung für den Ehrengast aller anderen Universitäten sieht an dieser Universität nur peinlich aus ...

Das bringt mich gerade zum Stichwort "Kultur des Schweigens", zu dem unsere Berliner Kollegin Ilse Schimpf-Herken einmal ausführlich gerade die Universitäten angesprochen hat: (siehe Grundlagen ganz unten auf http://home.arcor.de/Letsch/ewnpfg.htm )

1996 hatten wir noch einen weiteren Besuch Freire's in Deutschland in Planung, der aber wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr stattfinden konnte. 1997 war kurz nach dem Tod von Freire das internationale Treffen zum Theater der Unterdrückten in Toronto, wo wir gemeinsam seiner Arbeit gedachten und dankbar für seine Anregungen, die Weiterarbeit in unserem Stile besprachen.

Eine Konferenz mit den europäischen KollegInnen brachte uns dann die damals neueste Entwicklung von Augusto Boal nach München: Das Legislative Theater.

Brasilien war in den achziger Jahren wieder auf dem Wege der Demokratisierung, Freire konnte wieder nach Sao Paulo und übernahm Aufgaben in der Bildungsplanung, Augusto war Ende der 80er sogar Stadtrat von Rio de Janeiro geworden, nachdem ein erstes Projekt zu "Volkstheater-Fabriken" wegen leerer Politiker-Versprechen geplatzt war:

Als Stadtrat konnte er seine Theatergruppe als Mitarbeitende anstellen, und sie entwickelten verschiedene Formen, wie die Anliegen der Initiativen in der Stadt in Rathausdebatten und Politik umzusetzen sind.

Diese Art der Aneignung der eigenen Stadt hat dann auch in anderer Form wieder Schule gemacht: In Porto Alegre gab es den beispielgebenden ersten partizipativen Haushalt in Brasilien, in dem die BürgerInnen in alle Prozesse der gemeinsamen Haushaltsplanung eingebunden werden.

Was in Deutschland mit der Vermittlung von Spar-Haushalten versucht wird, hat nicht mehr annähernd den Charme und die Kraft der brasilianischen Vorbilder, die eher mit hiesigen Sätzen: "Wir wollen nicht ein Brot, sondern die ganze Bäckerei!" zu übertragen wären.

Auch wenn es hier jetzt regelmäßig Workshops zur solidarischen Ökonomie gibt: Die Grundlagen der Selbstverwalteten Betriebe und Projekte waren früher auch schon im Geiste Paulo Freire's reflektiert, in der AG SPAK, der Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise, ursprünglich einmal der evangelischen und katholischen Studentengemeinden, stand der Arbeitskreis Bewusstseinsbildung mit der befreienden Pädagogik neben der emanzipatorischen Krüppelbewegung und dem Theoriearbeitskreis alternative Ökonomie, der Psychiatriegruppe und der Drogenarbeit.

Die daraus gegründete Paulo-Freire-Gesellschaft intensivierte den Praxis-Austausch der Beteiligten zwischen Sozialer Arbeit, Schulen und an einigen Hochschulen, sie leidet nur etwas unter dem hohen Praxis-Einsatz der meisten KollegInnen in ihren Arbeitsbereichen, so dass wir uns oft nur kurz aus den Arbeitsbereichen berichten wie der Frauenarbeit in Afghanistan oder mit Migrantenkindern in der Schule, von Lehreraustausch Berlin mit Chile und vom Theater mit Kölner Migrantinnen.

So ist unsere Situation seltsam gespalten: Die befreiende Pädagogik wirkte in viele Bereiche, vor allem auch in die Methoden der Erwachsenenbildung, und doch haben wir kaum deutsche Literatur dazu, auch die Erstellung unserer Zeitschrift war uns zu mühsam geworden, gleichzeitig ist den Meisten im Internet noch nicht genug Austausch-Form geläufig.

Nachruf Paulo Freire

Paulo-Freire-Gruppe München, damals Paulo Freire Gesellschaft eV.**

für aktuelles: eineweltnetz.org und zbb-ev.jimdo.com sowie

Pressemitteilung Sonntag, 4. Mai 1997 Table of Contents

Wir haben einen Freund verloren

Paulo Freire starb 75-jährig in Sao Paulo Am Freitag, 2. Mai '97 verstarb unser Freund und Vorbild Paulo Freire.

Wie kein anderer pflegte er den Dialog und ermunterte alle pädagogisch und politisch Tätigen, die Lebenswelt mit den Lernenden zu teilen und mit ihnen gemeinsam Wege zu entwickeln,
ihre Situation zu verändern. Wir werden versuchen, sein Anliegen weiter zu verwirklichen.

Kurzporträt Paulo Freire

Geboren am 19.9.1921 in Recife (Nordosten Brasilien) unter dem Namen Paulo Reglus Neves Freire

       1928** aufgrund der Weltwirtschaftskrise, Umzug mit der Familie nach Joboatao. Als Paulo Freire 13 Jahre alt war, starb der Vater und für eine ganze Reihe von Jahren regierte der Hunger in Paulo Freires Leben. 

"In der Schule konnte ich das Vierer-einmaleins nicht, kannte auch nicht die Hauptstadt Englands, ich kannte aber die Geographie des Hungers..." Mit großer Anstrengung gelang es ihm, ein Jurastudium zu absolvieren.

       1944** Heirat mit Elza Maria Oliviera, einer Grundschullehrerin. Von ihr wurde er angeregt, sich intensiv mit erziehungswissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen.
       1946** Arbeit als Lehrer für portugiesische Sprache in der Abteilung für Erziehung und Kultur im Sozialdienst der Industrie, später dort als Direktor für den Bundesstaat Pernambuco tätig.
       1956** verließ Freire sein Amt im Sozialdienst der Industrie teils wegen Unstimmigkeiten mit der Unternehmensseite bezüglich seiner demokratischen Arbeitsmethode, teils weil ihm die Grenzen der assistenzialistischen Hilfe bewußt wurde.
       1961** startete eine von Freire konzipierte Alphabetisierungskampagne in Brasilien auf nationaler Basis. Der damalige Präsident Goulart ordnete an, daß mit Freire's Methode in "20.000 Kulturzirkeln" 2 Millionen Erwachsene alphabetisiert werden sollten..
       1964** Staatsstreich durch die Militärs, Freire mußte 75 Tage ins Gefängnis und dann ins Exil. In der Folgezeit arbeitete er u.a. 4 Jahre in Chile (Agrarministerium, Fortbildung für landlose Bauern) und ein Jahr an der Universität in Harvard (USA) als Gastprofessor.
       1971** übernahm er beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf die Stelle als Berater für Bildungsfragen in den "Entwicklungsländern". In dieser Zeit war er in vielen Ländern (spez. in Sao Tomé und Principe, Mozambik, Angola, Nicaragua) tätig.
       1980** nach der Demokratisierung in Brasilien die Erlaubnis zur Rückkehr aus dem Exil. Dort Mitarbeit u.a. im Rahmen der Erzdiözese Sao Paulo (Kardinal Arns), an der Kath. Universität (PUC), sowie ab 1989 als Stadtrat für Erziehungsangelegenheiten in Sao Paulo.
       1991** trat Freire von diesem Posten zurück, um wieder mehr im Bereich der wissenschaftlichen und beraterischen Arbeit tätig zu sein.
       1994** hatten wir Paulo Freire und seine zweite Frau, die Historikerin Ana Maria Freire in München zu Gast.
       Zu seinem zentralen Thema "Verantwortung in der dritten und ersten Welt übernehmen."**

"Die an mich oft gerichtete Frage oder Feststellung lautet: "Paulo, Du bist ja schon ein interessanter Mensch. Auch Dein Diskurs ist schön, aber Du sprichst nicht von unserer Wirklichkeit. Wir, in der Ersten Welt, haben nichts mit dieser Bewußtseinsbildung zu tun."

Hinter solchen Feststellungen oder Fragen verbirgt sich in Wirklichkeit die Angst davor, die Dritte Welt in der Ersten Welt zu entdecken. Es ist die Angst davor, die Verantwortung für die ungerechte Weltordnung zu übernehmen, "anzunehmen".

Es ist das Schuldgefühl, Erst-Weltler zu sein. Dieses Schuldgefühl sollte abgelegt, am besten auf den Müllhaufen geworfen werden. Keine Angst vor der Freiheit zu haben, das ist notwendig. Ich spreche von Pädagogik, der Wissenschaft der Erkenntnis, von Politik etc. und ich glaube nicht, daß alle diese Bereiche, über die ich spreche, daß es diese Bereiche in der "1. Welt" nicht geben soll.

Ich spreche genau von dieser pädagogischen Beziehung zwischen den Menschen und ich glaube nicht, daß diese pädagogische Beziehung zwischen den Menschen der "1. Welt" nicht stattfindet. Das ist also die "Angst vor der Freiheit" von den "Erst-WeltlerInnen". Ich sage Euch aber auch, daß ich Angst vor der Freiheit habe. Was ich aber wirklich versuche, in meinem Leben zu praktizieren, ist: die Freiheit zu lieben und nicht Angst vor ihr zu haben." Paulo Freire hat von über 20 Universitäten die Ehrendoktorwürde erhalten.

Seine Bücher sind in 18 Sprachen weltweit übersetzt. Die wichtigsten Bücher, in denen er die Grundelemente seiner befreienden Pädagogik darlegte, waren:

Sein letztes Buch "Im Schatten des Mangobaumes" (Rio 1995) kann als Kritik am neoliberalen Wirtschaftsmodell gelesen werden.

In ihm entwickelt er die Aufgaben des dialog-orientierten progressiven Pädagogen in postmodernen Zeiten.

Die Ideen Paulo Freire's wurden hier durch die 1977 gegründete Europäische Arbeitsgruppe Bewusstseinsbildung verbreitet, die sieben Mitgliedsgruppen umfasste:

  • ArbeitsGemeinschaft SozialPolitischer ArbeitsKreise München, AG SPAK und AG SPAK Verlag auf AG SPAK Verlag
  • Centro di Animazione per 'l Autogestione Populare (Palermo / Italien),
  • Friedensuniversität Namur (Belgien) *
  • Jugendakademie Walberberg (Bornheim- Köln)
  • Institut Oecuménique pour le Dévelopement des Peuples (Paris),
  • Mouvement d' Animation de Base / International Ontmoetingscentrum (Hasselt / Belgien) und die
  • Escuela Professionale Emigrati / Berufsschule der Emigrierten (Zürich).

Aus diesem Dachverband ist Anfang der neunziger Jahre in Deutschland und Belgien die Paulo-Freire-Gesellschaft e.V. München entstanden, die sich der Aufgabe stellt, die theoretischen Grundlagen der Freire-Pädagogik zu erforschen und die Praktiker mit den Forschern in Verbindung zu bringen.

Zahllose Fachtagungen wurden in den verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt. Vor allem in Latein- und Mittelamerika hat Paulo Freire grundlegende Veränderungen in der Erwachsenenbildung bewirkt, aber auch in Afrika bildet sein Ansatz die Grundlage der bildungspolitischen Basisarbeit.

Freire selbst hat längere Zeit in den ehemaligen portugiesischen Kolonien (Angola, Mozambik, Sao Tome und Principe) gearbeitet und dort einen entscheidenden Einfluß auf das Bildungssystem ausgeübt.

Heute werden die anthropologischen und pädagogischen Prinzipien der Freire-Pädagogik in Schwarzafrika in zahllosen Bildungsorganisationen angewandt.

Das letzte Heft unserer Zeitschrift für befreiende Pädagogik ist diesen Projekten gewidmet.

Für Juli dieses Jahres war Paulo Freire von der UNESCO zum Weltkongress der Erwachsenenbildung nach Hamburg eingeladen, die Paulo-Freire-Gesellschaft plante eine Tagung in Loccum und Treffen mit ihm in verschiedenen Städten.

Ein Sammelband mit Berichten aus der Arbeit in unseren europäischen Situationen ist für Sommer geplant.

Die Universität Oldenburg wollte ihm die Ehrendoktorwürde verleihen. Für das Wintersemester '97 hatte ihn die Harvard-Universität zur Entwicklung einer Pädagogik für das 21. Jahrhundert eingeladen.

  • ) Vorstand der Paulo-Freire-Gesellschaft 1996-98: Eva Maria Antz (Köln-Brühl), Marita Hecker, Frankfurt, Dr. Heinz Peter Gerhardt (Bonn), Fritz Letsch (München), Prof. Dr. Manfred Peters (Namur), Andreas Schauder (Schallstadt-Wolfenweiler), Heinz Schulze (München) Dr. Ilse Schimpf-Herken, Berlin

Danke dem Trend-Internet-Magazin für die Gestaltung und Weitergabe der Seite:

die UNESCO hatte ihn als Hauptredner zur Weltkonferenz Erwachsenenbildung eingeladen und plant ein internationales Memorial

der pädagogische US-Fachverlag Peter Lang plant für die nächste Ausgabe der Taboo eine Würdigung Peter Lang Publishing

Literatur

waxmann-Verlag

Tagung

paulo-freire-kongress-2018

In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung sind die Erfahrungen mit seiner Pädagogik neu zu bewerten. Auch die Debatte um die theoretischen Grundlagen einer Theorie der Dialogischen Pädagogik als Praxis der Freiheit soll weitergeführt werden. Freires Denken bündelt die humanistische Tradition und positioniert sie neu im Kampf um friedliche Formen eines inklusiven Zusammenlebens mit der Teilhabe aller an den Ressourcen – global, regional, lokal, eingebunden in die Auseinandersetzungen um ‚gender‘, ‚class‘ und Rassismus.

https://www.conferences.uni-hamburg.de/event/12/

Auf dem geplanten Kongress geht es zunächst um eine Bestandsaufnahme des Wirkens von Freire in verschiedenen Ländern und Arbeitsbereichen. Die Vielfalt der Anwendungsfelder soll einem breiten Fachpublikum und der öffentlichen Debatte präsentiert werden. In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung sind die Erfahrungen mit seiner Pädagogik neu zu bewerten.

Auch die Debatte um die theoretischen Grundlagen einer Theorie der Dialogischen Pädagogik als Praxis der Freiheit soll weitergeführt werden. Freires Denken bündelt die humanistische Tradition und positioniert sie neu im Kampf um friedliche Formen eines inklusiven Zusammenlebens mit der Teilhabe aller an den Ressourcen - global, regional, lokal, eingebunden in die Auseinandersetzungen um ‚gender‘, ‚class‘ und Rassismus. Wie können wir die Ansätze von Freire hier und heute erfolgreich nutzen?

Auf der Tagung sind verschiedene Diskussionsforen geplant. Wir bitten um Beiträge. Wir freuen uns über Projekte, die sich im Rahmen des Kongresses vorstellen. Parallel zu den Foren werden Workshops zu praktischen Umsetzungen von Freires Ansätzen aus den Bereichen Theaterpädagogik und Kunsttherapie angeboten.

Adressatenkreis: PraktikerInnen, Studierende, Lehrende in allen pädagogischen und sozialen Bereichen und alle Interessierten. Die Teilnahme am Kongress kann als Fortbildung bescheinigt werden.

Tagungsbeitrag: 60.- Euro, ermäßigt 30.- Euro

Organisation:  Paulo Freire Kooperation e.V. (www.freire.de) Stefan Berzel, Prof. Dr. Dietlinde Gipser, Dr. Heiner Zillmer

 Fakultät für Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg Prof. Dr. Joachim Schroeder


"Paulo Freire hat als Pädagoge Hoffnungen geweckt und bestärkt wie nur wenige Menschen in seinem Jahrhundert. Mit seinem dialogischen Prinzip hat er neue Wege der Beziehungen zwischen Lernenden und Lehrenden gezeigt. Seine Arbeit stärkte weltweit demokratische Basisprozesse. Er war der Pädagoge der Unterdrückten und vermittelte die Pädagogik der Hoffnung.

Die Sozialpastoral Lateinamerikas und die Theologie der Befreiung wurden von ihm beeinflusst. Er entwickelte eine Alphabetisierungsmethode, mit der innerhalb von 40 Unterrichtsstunden Lesen und Schreiben erlernt werden konnte.

Diese Methode machte Paulo Freire bei den Diktatoren verhasst, sodass er nach dem Putsch in Brasilien verhaftet und anschließend aus seinem Land ausgewiesen wurde. In Chile erarbeitete er anschließend für die UNESCO ein ähnliches Alphabetisierungsprogramm.

Der Weltkirchenrat in Genf war ihm nach dem chilenischen Putsch lange Zeit eine neue Heimat. Von dort unterstützte er die jungen, aus portugiesischer Kolonialherrschaft befreiten Staaten Afrikas und den Alphabetisierungs-Kreuzzug in Nikaragua. Als letzter Exilierter des Militärputschs von 1964 durfte Paulo Freire wieder nach Brasilien zurückkehren. Er war Mitbegründer der stärksten politischen Gruppierung, der Partei der Arbeiter (PT), und übernahm wichtige Funktionen im Bildungsbereich.

Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt, waren aber auch in vielen Ländern verbotene Literatur. Dort wurden sie teilweise abgeschrieben und von Hand zu Hand weitergegeben. In Europa beeinflussten die Gedanken Paulo Freires alle pädagogischen Bereiche: Sozialarbeit, Erwachsenenbildung, Schule, Kindergartenarbeit, außerschulische Jugendbildung.

In Wissenschaft und Praxis ergeben sich viele Berührungspunkte mit seiner Pädagogik: Soziologie, Ökonomie, Psychologie, Theologie, Linguistik, bildende Kunst oder Theaterarbeit. Die Vielfalt der Überschneidungen bietet eine Chance den Weg in eine nachmoderne Gesellschaftsform zu finden, die das Individuelle im Menschen stärkt und im Globalisierungsprozess das Gemeinsame aller Menschen hervorhebt."

https://www.conferences.uni-hamburg.de/event/12/


critical theory

"Frankfurt School theorists drew on the critical methods of Karl Marx and Sigmund Freud. Critical theory maintains that ideology is the principal obstacle to human liberation.[2] Critical theory was established as a school of thought primarily by the Frankfurt School theoreticians Herbert Marcuse, Theodor Adorno, Max Horkheimer, Walter Benjamin, and Erich Fromm. Modern critical theory has additionally been influenced by György Lukács and Antonio Gramsci, as well as the second generation Frankfurt School scholars, notably Jürgen Habermas. In Habermas's work, critical theory transcended its theoretical roots in German idealism and progressed closer to American pragmatism." en.wikipedia.org/wiki/Critical_theory

"Critical theorists have widely credited Paulo Freire for the first applications of critical theory towards education. They consider his best-known work, Pedagogy of the Oppressed, a seminal text in what is now known as the philosophy and social movement of critical pedagogy."

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Fritz und Lore Perls - gestaltarbeit - gestaltleben - politische_Psychotherapie - Gestalt und Theater - Gestaltpädagogik Supervision und politische Supervision

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