Otto Gross

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Politisches Bewusstsein und Psycho-Analyse seit 100 Jahren: Otto Gross

Vor 100 Jahren begann die Forschung an der Psyche, systematisiert durch Sigmund Freud und seinen Umkreis in Wien, der durchaus sehr politisch orientiert war. Nach Anfeindungen aus der etablierten Ärzteschaft wurde er vorsichtiger.

Otto Gross, Freund von Erich Mühsam, der ihm eine Zeitschrift finanzieren wollte, war einer der hoffnungsvollen Schüler Freuds, der sich quer durch die Szenen bewegte und seine Forschung auch in den Cafehäusern in Schwabing und am Monte Verità betrieb, bevor er in die Folgen des ärztlich fast üblichen Morphins geriet.

Wilhelm Reich und die Gestalt-GründerInnen blieben an der politischen Spur, die bis zur Kritischen Psychologie auch die Kritische Theorie prägte. Parallel wuchs aus der Lebensreform auch die Reform-Pädagogik, in jüdischen Internaten gepflegt, mit den Jugendlichen ausgewandert ...


Politisches Bewusstsein und Psycho-Analyse seit 100 Jahren: Otto Gross

Vor 100 Jahren begann die Forschung an der Psyche, systematisiert durch Sigmund Freud und seinen Umkreis in Wien, der durchaus sehr politisch orientiert war, auch an die höchst "elektrisierte" Öffentlichkeit zu kommen. Bilder aus der physikalischen Forschung wurden schnell über die Zeitungen in die allgemeine Sprache übernommen.

Magnetismus war für alle mesmerisierend: Das damalige Wort für Magnetismus und elektrische Ausstrahlung, heute eher elektrisches Feld genannt. Hypnose war auf der Bühne zu erleben, alle hatten plötzlich "Nerven", wenn auch nicht "wie Drahtseile. Nach Anfeindungen aus der etablierten Ärzteschaft wurde Freud vorsichtiger.

Otto Gross, Freund von Erich Mühsam,

der ihm eine Zeitschrift finanzieren wollte, war einer der hoffnungsvollen Schüler Freuds, der sich quer durch die Szenen bewegte und seine Forschung auch in den Cafehäusern in Schwabing und am Monte Verità betrieb, bevor er in die Folgen des ärztlich fast üblichen Morphins geriet. Mühsam besprach mit ihm seine Sorgen in der Freien Liebe, wie er in seinen Tagebüchern schreibt und die Fragen der freien Liebe, bis er mit Zenzl zwar etwas Halt, aber nie ganz die Ruhe fand.

Franziska Reventlow

Franziska Reventlow hatte von Otto Gross eine kostenlose analytische Behandlung angeboten bekommen, ihre ironische Reaktion auf die ausführliche Auseinandersetzung beschreibt sie in ihrem Buch "Der Geldkomplex":

"Sie findet neue Bekannte, darunter Frieda Gross, die Frau des Psychoanalytikers Otto Gross, den sie noch in München kennengelernt hat. Frieda Gross lebt
mittlerweile mit dem Maler und Anarchisten Ernst Frick zusammen. Über Rechtsstreitigkeiten, in die beide verwickelt sind, lernt Reventlow den Locarneser Rechtsanwalt Mario Respini-Orelli kennen. Es entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die  allem Anschein nach unkompliziert ist und bis an ihr Lebensende dauert."

"Sie bricht mit der Familie und geht nach München, um dort Malunterricht zu nehmen. Mit ihrer Schönheit, ihrer Lebenslust und ihrem freien Liebesleben wird die tolle Gräfin schnell zu einer gefeierten Figur der Schwabinger Bohème - trotz oder auch wegen ihres unehelichen Kindes.

Doch dieser Lebensentwurf, der ihr Freiheit und Abenteuer ermöglicht, hat auch seine Schattenseiten. Dazu gehören Depressionen, Selbstzweifel, Einsamkeit und eine chronische Geldnot. In ihren Werken thematisiert sie diese Widersprüche auf unterschiedliche Weise. Fanny zu Reventlow stirbt mit 47 Jahren im Juli 1918 - vor 100 Jahren - in Locarno."

deutschlandfunk.de: lange-nacht-ueber-die-schriftstellerin-fanny-zu-reventlow

Wilhelm Reich ging von Wien nach Berlin

und baute die reichsweite Organisation SexPol auf, um zusammen mit den Frauengruppen und der KPD gegen die Strafbarkeit der Abtreibung schon den Jugendlichen den Zugang zu sexueller Aufklärung und Verhütungsmitteln zu ermöglichen, nach moralischen Auseinandersetzungen mit der Kommunistischen Partei und massiven Angriffen durch die anwachsende Macht der Nazis gingen die meisten Mitwirkenden wie Ernest Bornemann ins Ausland.

Die Gestalt-GründerInnen Fritz und Laura Perls arbeiteten in Berlin in der Marxistischen Arbeiterschule MASCH mit und blieben an der politischen Spur, bis sie sicherheitshalber nach Holland und dann Südafrika emigrierten. In den 1950er Jahren folgten sie einem Ruf von Paul Goodman, alternativer Zeitschriften-Autor und bisexueller Lehrer, in die USA, gemeinsam mit dem Arzt Ralph Hefferline definierten sie das Grundkonzept der politischen Gestalt-Therapie.

GESTALT

ist in den USA das Fremdwort, das als Synonym für Hippie-Therapie in Gruppen und als politisch bewusste Reflexion bis zur Kritische Psychologie Kritischen Psychologie auch die Kritische Theorie prägte.

Parallel wuchs aus der Bewegung der Lebensreform auch die Reform-Pädagogik, in jüdischen Internaten schon früher gepflegt, sie ist mit den Jugendlichen frühzeitig ausgewandert ...

bisheriges: Paul Goodman hatte mit Fritz und Laura Perls und Ralph Hefferline das Grundlagenwerk "Gestalttherapie" verfasst und war einer der schärfsten Kultur- und Schulkritiker der USA in den 60er Jahren: Growing up absurde, das Buch in deutsch erschienen als: Aufwachsen im Widerspruch. Über die Entfremdung der Jugend in der verwalteten Welt

- das auch hier beeindruckte: Bis hierhin und darüber hinaus „Bis hierhin und darüber hinaus – Jugendhilfe zwischen politischer Anforderung und gesellschaftlicher Realität“ „Aufwachsen im Widerspruch – Jugendliche Lebenslagen angesichts ungewisser Zukunft“ zukünftiges:

Qualifizierter Antifaschismus braucht Verständnis der rassistischen Denk-Grundlagen und Reaktionsmuster


raete-muenchen.de und www.plenum-R.org

mit Bildern auf http://raete-muenchen.de/otto-gross-psycho-analyse-und-politik

Otto Gross war ein aktives Mitglied der sozialistisch-anarchistischen Bewegung und auch in literarische Kreise in der Wiener, Münchner, Berliner und Schweizer Boheme integriert.


Auch Magnus Hirschfeld gehörte zu den „Dichterkreisen“, die nicht nur Maler und Theaterleute wie Strindberg, Gustav Landauer, Fidus und Mühsam zeitweise in der „Berliner Sommerfrische“, dem östlich von Berlin gelegenen Luftkurort an der Bahnstation der Schlesischen Eisenbahn in bewegten Kreisen lebten:

Von hier aus wurde die Erneuerung der Freien Volksbühne Berlin betrieben, als sie unter SPD-Regentschaft nur noch ältere Literaten spielte, und die Gedanken der Lebensform nach der Kaiserzeit vorbereitet: Anarchismus, Sozialismus,

Demokratie – wie sollte das gehen?

Hier gibt es auch ein wunderbares Antiquariat, das ein kleines Museum beherbergt: Der Dichterkreis Friedrichshagen hat aktuell eine Ausstellung und ein Heft zu Gustav Landauer auf der Basis der reichhaltigen Polizei-Akten zusammengestellt,

aber auch die Serie der thematischen Hefte zu Gästen, Theaterleuten, Malern und Genossenschaften, die das damalige Aufbrechen zu neuen Lebensformen herbei schrieben, druckten und selbst versuchten, ist eine spannende Fundgrube zu jener Zeitgeschichte.


Otto Gross brachte als Freud-Schüler die aktuellen Denk-Figuren der Psycho-Analyse: Was in der „Redekur“ aus der Verdrängung geholt wurde, welche autoritären Verformungen in der Erziehung passieren (davon hatte Gross heftiges erfahren)

und wie das Leben in der Freien Liebe zu gestalten sei …

… neben dem Entzug, den Gross für seine Kokain-Abhängigkeit dort suchte, Hermann Hesse für seine Alkohol-Sucht.

Umfragen in Schwabinger Cafes

Es gibt Erzählungen zu seinen Umfragen zur Zufriedenheit mit der erlebten Sexualität, die auch in den Kreisen der Boheme noch aufsehen erregten, in denen eine Franziska Gräfin zu Rewentlow als erste bewusste Allein-Erziehende mit Sohn noch Aufsehen erregte.

Freund und Berater von Erich Mühsam

Erich Mühsam lebte damals in einer Beziehung mit Johannes Nohl, aber auch in wechselnden Arten der Freien Liebe, bürgerlich noch völlig unaussprechbar, heute vielleicht unter poly-amor zu fassen: Wenn alle Beteiligten offen damit umgehen können.

Die Freie Liebe als Politikum

Auf dem 1. Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Salzburg gab es heftige Auseinandersetzungen: Gross sprach dort über „culturelle Perspektiven“ der Psychoanalyse, meinte aber vor allem auch die politische Bedeutung, die konservative Ärzteschaft wollte aber von den Bedeutungen für emanzipatische Bewegungen nichts wissen.

Später verordneten Freud und die führenden Kreise der Psycho-Analytischen Gesellschaft ein Erwähnungs-Verbot für den Namen Otto Gross, wie auch für Wilhelm Reich, das bis heute in den universitären Kreisen gilt. Lebensreformer*innen

Der Monte Verita wirkt weiter:

Nicht nur die immer noch wirksame Provokation der Nacktheit, auf Liegewiesen im Englischen Garten als Erwähnung in japanischen Reiseführern für München … Drogen als Absturz

Otto Gross lieferte Beiträge für die Zeitschriften Die Erde und Das Forum,

und er wechselte seine Wohnorte zwischen Graz, Wien und München. Im Oktober 1919 zog er nach Berlin, wo er bei Cläre und Franz Jung in Friedenau wohnte.

Am 11. Februar 1920 wurde er unter Entzugssymptomen leidend in einem Durchgang zu einem Lagerhaus von Freunden – auch von Hans Walter Gruhle – aufgefunden und in eine Klinik nach Pankow gebracht, wo er zwei Tage später starb.

Otto Gross promovierte und habilitierte in dem Fach Psychiatrie.

Er war in seiner Forschung bemüht, eine Synthese zwischen Psychoanalyse, Psychiatrie und Nietzscheanischer Philosophie zu entwerfen.

Gross zählt zu den ersten Autoren, die über Psychoanalyse veröffentlichten. Von Sigmund Freud wurde er geschätzt.

Auf dem 1. Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Salzburg sprach er über „culturelle Perspektiven“ der Psychoanalyse.

Er war ein aktives Mitglied der sozialistisch-anarchistischen Bewegung und auch in literarische Kreise in der Wiener, Münchner, Berliner und Schweizer Boheme integriert.

Aufgrund verschiedener Affären und wegen seiner Drogensucht wurde er auf Betreiben seines Vaters, des berühmten Strafrechtlers Hans Gross, in psychiatrischen Anstalten interniert, entmündigt, steckbrieflich gesucht und als Anarchist verhaftet. 1920 verstarb er unter ungeklärten Umständen. http://www.psyalpha.net/biografien/otto-gross

Quellensammlung

www.ottogrossgesellschaft.com

Magnus Hirschfeld und sein Bruder – befreundet mit Adolf Brand in Friedrichshagen: „Der Einstein des Sex“ (Film von Rosa von Praunheim Berlin 2000)

Magnus Hirschfeld gründet 1919 das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin, www.magnus-hirschfeld.de

1920 Verletzung durch völkische „Rowdies“ oder besser gesagt SA-Schläger in München, Todesanzeige … bleibt 1934 bei einer Auslandsreise, sein Institut wird von Nazis zerstört.

Wikipedia de.wikipedia.org/wiki/Otto_Gross

github.com/raete-bayern/Personen/wiki/Otto-Gross—PsychoPolitik

Aktuelles

Immer mehr Bezüge sind im Netz zu finden:

Nächste Aufgabe für Vortrag & ein Revolutionsgespräch:

Die Rolle des Psychoanalytiker Otto Gross, Freud-Schüler, im Vorfeld der Revolution und Räterepublik München zwischen Monte Verita und Wandervogel-Bewegung https://t.co/hn6QE4PCbu

Otto Gross: #Psychoanalyse und #Politik

Otto Gross: Psycho-Analyse und Politik

Otto Gross war ein aktives Mitglied der sozialistisch-anarchistischen Bewegung und auch in literarische Kreise in der Wiener, Münchner, Berliner und Schweizer ...


#Autorität und #Autismus:

Otto Gross’ #Einsamkeit als Vorarbeit der #Revolution via @AutismusJournal

https://autismusjournal.wordpress.com/2018/06/01/autoritaet-und-autismus/

"Vorläufer der Anti-Psychiatrie eines Ronald D. Laing und Alain Fourcade"

"Obwohl der österreichische Arzt, Psychiater, Psychoanalytiker und Anarchist Otto Gross eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dessen gespielt hat, was wir heute als “die Moderne” bezeichnen, ist er bis heute immer noch ein weitgehend Unbekannter."

http://www.ottogrossgesellschaft.com/mehr-informationen-ueber-otto-gross/


Otto Gross – Wikipedia

de.wikipedia.org/wiki/Otto_Gross

Leben. Otto Gross war das einzige Kind des namhaften österreichischen Juristen Hans Gross und seiner Ehefrau Adele.

Internationale Otto Gross Gesellschaft e.V.

www.ottogrossgesellschaft.com

„Der Revolutionär von heute, der mit Hilfe der Psychologie des Unbewussten die Beziehungen der Geschlechter in einer freien und glückverheißenden Zukunft sieht ...


15. Okt. 1921: Franz Werfels "Spiegelmensch" wird in #Leipzig (Altes Theater) und #Stuttgart uraufgeführt.

Wie in "Schweiger" (1922) und "Barbara oder die Frömmigkeit" (1929) sind die Ideen von Otto Gross zentrale Motive des Werks www.fischer-theater.de/theater/autor/franz-werfel/5841 #FranzWerfel #OttoGross

https://pbs.twimg.com/media/DpgF8jkW4AEcIZP.jpg

XVIII Annual Conference of Moscow Association for Analytical Psychology

X International Otto Gross Congress - Sexual Revolution

Otto Gross, Psychoanalysis, and Culture October 20-22, 2017, Moscow

https://ottogross.org/sexual_revolution_conference_moscow_october_2017/