Menstruations-App

Aus joker-netz
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Kollegin schreibt:

Der Handy-App-Markt boomt. Sogenannte „Menstruationskalender-Apps“ oder „Periodentracker“ schießen – meist mit „süßen Designs“ - wie Pilze aus dem Boden. Extrem problematisch an diesen Apps ist nicht ihre Funktion als Menstruationskalender, sondern die Tatsache, dass aus den Angaben der Anwenderinnen – meist junger Mädchen - der nächste Eisprung und die fruchtbare Zeit berechnet wird.

In langjährigen wissenschaftlichen Untersuchungen ist längst (in Zusammenarbeit mit der Universität Düsseldorf und Heidelberg) erwiesen, dass die intrapersonellen Zyklusschwankungen so groß sind, dass aus den Angaben vergangener Zyklen auf keinen Fall ein verlässlicher Rückschluss auf die fruchtbare Zeit im aktuellen Zyklus möglich ist.

Für die Kinderwunschsituation ist das weniger problematisch, die Frau wird halt nicht schwanger, wenn sie sich auf diese Angaben verlässt.

Geradezu unverantwortlich ist diese Funktion jedoch im Hinblick auf Mädchen und Frauen, die –diesen Angaben vertrauen (da sie ihre fruchtbaren Tage monatlich vor Augen gestellt bekommen) und dann möglicherweise vor und nach der vom App definierten fruchtbaren Zeit Sexualkontakt haben. Das ist die Wiederauferstehung der obsoleten Kalendermethode nach Knaus-Ogino aus den 50er Jahren, bekannt als „vatikanisches Roulette!“

Aktueller Anlass meines Warn- und Weckrufes ist ein Mädchen, das an einem unserer sexualpädagogischen Workshops in einem Münchner Gymnasium teilgenommen hat und möglicherweise ungeplant schwanger wurde, weil sie sich auf das App verlassen hat.

Wir machen die Erfahrung, dass viele junge Mädchen diese Apps benützen und halten das für extrem problematisch.

Ich denke, hier brauchen wir die Medien – es muss der Öffentlichkeit bewusst gemacht werden, dass diese App-Funktion gefährlich ist und die Hersteller diese Funktion entweder eliminieren müssen oder – wenn die fruchtbare Phase angezeigt wird, gleichzeitig ein Warnhinweis erscheinen muss: „Darf nicht zur Empfängnisverhütung angewandt werden!“.

Wichtig wäre aber zunächst mal, die Öffentlichkeit – vor allem Eltern, Jugendliche und Schule darauf aufmerksam zu machen und zu warnen!

weitere Seiten dazu

Angebot - Arbeit am Tabu - sexuelle Aufklärung - Beratung - Diversity - Eltern und Gemeinden im Gespräch - Fragen von heranwachsenden Jungs - Fragen von Kindern - Geflüchtete - Gestalt-Konzeption -Glaube und Sexualität - HIV und 2. Partner - inter* - Jugendzentrum - kulturelle Prägungen - Liebe-Geschichten - Menstruations-App - Mythen zur Sexualität - PädagogInnen - Porn & Selbstbefriedigung - Prävention mit Forumtheater - queerstudies - Sexualbegleitung - Sexualpädagogik - Sexualwissenschaft - Sexualtherapie - sexuelle Intelligenz - Verhütungspanne - Vielfalt bereichert -