Fritz Perls

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Fritz Perls

"In Berlin nahm Fritz Perls Schauspielunterricht, sang Bachkantaten, schrieb Gedichte, begann später in den USA zu malen, nahm auf einer seiner Weltreisen in Israel Malunterricht und kehrte nach 1945 regelmäßig zu Museums- und Opernbesuchen nach Europa (etwa Wien und Verona) (1) zurück. ...

... um sein achtzehntes Lebensjahr herum, etwa 1910 oder 1911. Nach seinen unbezahlten Statistenrollen im konventionellen Theater, in dem gelegentlich auch der Kaiser zu Gast war, wurde Perls bezahlter Statist am Deutschen Theater, das seit 1905 von Reinhard geleitet wurde.

Reinhard, der aus Wien stammte und dessen eigentlicher jüdischer Name Goldmann war, wird von Perls als der »erste kreative Genius« (Perls 1981, 315) bezeichnet, dem er begegnete. Worum es Reinhard ging und was Perls aufnahm und in sein Leben wie in die Gestalttherapie auf radikalste Art und Weise integrierte, war die Forderung nach Wahrheit und Echtheit, angesichts einer naturalistischen Theatertradition in der die Schauspieler sich verkleideten und »die Worte des Dichters zu Gehör brachten« (Ottersbach 1992, 9), aber nicht den Charakter zum Leben erweckten.

Verbunden war damit bei Reinhard eine Kritik an der bürgerlichen Erziehung zur Konvention, zum Verbergen der Gefühle: »So entstehen die sattsam bekannten Verdrängungen, die Zeitkrankheit der Hysterie und am Ende jene leere Schauspielerei von der das Leben voll ist« (Reinhard 1993, 52). Das erinnert natürlich an den frühen kulturkritischen Freud und Reinhard hat entsprechend durchaus mit therapeutischen Mitteln gearbeitet, ohne das so zu nennen (vgl. Ottersbach 1992, 6).

Perls war als Statist bei den Proben von wichtigen Aufführungen Reinhards anwesend und hatte so Gelegenheit, ausführlich seinen Stil des Inszenierens und seinen Umgang mit den Schauspielern zu studieren. Zudem scheint er, nach Erinnerungen von Lore Perls, an den »berühmten Schauspielklassen Max Reinhards« (Sreckovic 1999, 20) teilgenommen zu haben. Seine Schwester Grete Gutfreund bestätigte dies:

»When he was a teenager, enrolled in the Gymnasium, he saw that Reinhardt was giving classes. He signed up, and had small parts in plays. Once he played Mephisto for Reinhardt« (Gaines 1979, 3). Seinen eigenen Erinnerungen zufolge, nahm er an Aufführungen von »Oedipus«, »Ein Mittsommernachtstraum«, »Faust Teil 2« und »Jedermann« teil. Diese Aufführungen fanden zwischen 1910 und 1913 statt, als Perls 17 bis 20 Jahre alt war und auf das Askanische Gymnasium ging.

Die Liebe zum Theater war so stark, daß er daran dachte, Schauspieler zu werden. ... Max Reinhard beeinflusste ihn tief: »Charaktere, die keinen Kontakt zu ihren Mitspielern hatten, mussten verschwinden.

Nichts blieb unangetastet, bis das Stück in eine reale Welt transzendierte und doch genug Raum für die Phantasie des Publikums ließ« (Perls ebd., 315).

Seine spät niedergeschriebenen Erinnerungen (2) an die genannten Inszenierungen zeugen von ungebrochener Wertschätzung und anhaltender Begeisterung für das Erlebte (vgl. ebd., 315). Bernd Bocian in: gestalt.de/bocian_theatererfahrungen.html

Weitere Fragmente

Als Sanitäter im Schützengraben des 1. Weltkrieges begann er zu rauchen und konnte es sein Leben lang nicht mehr aufhören.


Gestalt - Fritz und Laura Perls - Wilhelm Reich - Gestalt-Therapie