Arbeitsdemokratie

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Die Idee zur Arbeitsdemokratie ging schon zwischen den Weltkriegen um, wurde aber wohl von keiner größeren Gruppierung aufgenommen. Wilhelm Reich berichtet in seinen Schriften zur Massenpsychologie des Faschismus davon und sieht in der Praxis der Beteiligung die Lösung für die autoritären Schäden und faschistischen Tendenzen in der kleinbürgerlichen Welt.

In Wilhem Reich: "Die Massenpsychologie des Faschismus" Köln 1971 (KIWI) am Ende des Buches, ab Seite 318:

"1. Untersuchung über die natürlichen sozialen Kräfte zur Bewältigung der emotionalen Pest Im Jahre 1937 ... erschien in Skandinavien eine kleine Schrift über Die natürliche Organisation der Arbeit in der Arbeitsdemokratie. ...

2. Arbeit im Widerspruch zur Politik" -> Jeder Beruf erfordert Ausbildung, Politiker kann jeder werden ... "daß ein schlechter Journalist das 50-Millionen-Volk der Italiener zu brutalisieren und schließlich ins Elend zu führen vermochte ... Ein beruflich vollkommen verunglückter Malerlehrling ist imstande, ebenfalls 2 Jahre lang auf den Lippen aller menschlichen Lebewesen zu sein, ohne auch nur einzige nützliche, sachlich-praktische Leistung vollbracht zu haben. ...

Der wissenschaftliche Mensch jeder Art, sei er nun Erzieher, Dreher, Techniker, Arzt oder anderes, hat den sozialen Arbeitsprozeß zu erfüllen und zu sichern. Er hat sozial einen sehr schweren Stand: Er muß jede seiner Behauptungen praktisch beweisen. ... Der arbeitende, wissenschaftliche Mensch lebt und wirkt ohne Waffen. Der Mystiker un der politische Ideologe dagegen haben sozial, verglichen mit dem eines Arbeiters, einen leichten Stand. Niemand verlangt Beweise für ihre Behauptungen. ...

Es gibt keine Bestimmung in der parlamentarischen Demokratie, die der Liebe, der Arbeit und dem Wissen auch das überragende Vorrecht in der Lenkung des Schicksals der Gesellschaft zusprechen würde. ...

Die politischen Parteisysteme entsprechen in keiner Weise den Zuständen, Aufgaben und Zielen der menschlichen Gesellschaft. ... S. 320-323 -> 324 Da die natürliche Arbeitsdemokratie auf Arbeit und nicht auf Politik beruht, mag diese >>Arbeit am sozialen Organismus<< zu einem praktisch-brauchbaren Ergebnis führen. Es wäre zum ersten Male daß sich die Arbeit des sozialen Problems bemächtigt. Und diese Arbeit wäre insofern arbeitsdemokratisch als sie andere arbeitende Soziologen, Ökonomen, Psychologen zur Arbeit am sozialen Organismus veranlassen könnte. ...

Die arbeitsdemokratische Denkweise setzt, so weit ich dies begriff, der politischen Ideologie den Standpunkt der sozialen Funktion und der sozialen Entwicklung, also Tatsachen und Möglichkeiten, er setzt ihr nicht eine andere politische Anschauung entgegen. Es ist ähnlich wie auf dem Gebiete der Moral: Die Sexualökonomie bekämpft die Schäden, die die Zwangsmoral anrichtet, nicht, wie es politisch üblich ist, mit einer anderen art Moral, sondern mit konkretem Wissen über die natürliche Funktion des Liebeslebens und praktischen Techniken. ... 325

3. Notiz über sachliche Kritik und irrationale Krittelei Die arbeitsdemokratische Lebensführung fordert das Recht jedes Arbeitenden auf Diskussion und Kritik. Diese Forderung ist berechtigt, unerläßlich und sollte unumstößlich sein. Wird die nicht erfüllt, so versiegt leicht die Quelle der menschlichen Produktivität. ... Im streng-wissenschaftlichen Sinne ist nur eine Art Kritik zulässig, die sogenannte immanente Kritik; d.h. der Kritiker muß einige Forderungen erfüllen, ehe er sein recht zu kritisieren in Anspruch nimmt:

   Er muß das Arbeitsfeld ... beherrschen
   Er muß es ebensogut, wenn nicht besser kennen ...
   Er muß daran interessiert sein, daß die Arbeit gelingt ...
   Er muß seine Kritik vom Standpunkt des kritisierten Arbeitsfeldes leisten ...


4. Arbeit ist ihrem Wesen nach rational ... Unsere Gesellschaft wird wesentlich von ... politisch-irrationalen Begriffen regiert, die sich der menschlichen Arbeit zur Erzwingung ihrer Ziele bedienen. Es bedarf realer Einrichtungen, um der Lebenstätigkeit der Menschenmassen die Freiheit der Aktion und Entwicklung zu sichern.

5. Lebensnotwendige und andere Arbeit

Wilhelm Reich war in der kommunistischen Bewegung in Ungnade gefallen, weil er in seiner Analyse deutlich machte, dass auch in der Arbeiterbewegung die kleinbürgerlichen Reaktionsmuster und hierarchiegläubigen Strukturen der faschistischen Bewegungen widergespiegelt wurden.

Seine kurzzeitig wohl sehr grosse Bewegung für aufgeklärte Familienpolitik und gegen Kriminalisierung der Abtreibung, die mit vielen Beratungsstellen intern auch als Sexpol Sexualpolitik betreiben wollte, musste in der Zunahme der faschistischen Übergriffe in den Untergrund gehen, wie auch die Marxistische Arbeiterschule MASCH Berlin, in der er sowie Laura Perls und Fritz Perls mitarbeiteten.

deu.anarchopedia.org/Arbeitsdemokratie Noch was dazu gefunden: trettin-tv.de/orgon/arbeit~1.htm